Priester Christi: Klaus-Dieter Tischler

Klaus-Dieter Tischler hat um seinen Beruf kämpfen müssen. „Bis zur Weihe war es unklar, ob ich Priester werden kann“, sagt der 48-Jährige, der als erster Pfarrer in Langenhagen für beide katholischen Kirchengemeinden zuständig ist, die der Liebfrauenkirche und die der Zwölf-Apostel-Kirche. Wie bei seiner Geburt Nerven und Sehnen durch die Nabelschur gequetscht wurden und er deshalb halbseitig gelähmt ist, hatten die Kirchenoberen Zweifel, dass er die Anforderungen eines Geistlichen nicht bewältigen könnte. Dazu kam ein geschichtlich geprägtes Priesterbild dass nur makellose Männer mit einem derartigen Amt betraut werden dürfen. Selbst mit dem Papst wurde seine Situation besprochen, bis er 1981 in Hildesheim schließlich doch geweiht wurde. „Dabei habe ich in meiner Behinderung auch eine Chance gesehen, weil sie einen Vertrauensvorschuss schafft.“ Viele Leute seien überzeugt, dass er auf Grund seines eigenen Leidens auch ihre Probleme besser verstehen könne.

Dabei stand für den 1953 in Hannover geborenen Tischler schon nach dem Abitur auf dem Aufbaugymnasium in Essen fest, dass er Priester werden wollte. Er stammt aus einem christlichen Elternhaus und es hat auch Geistliche mit Vorbildcharakter gegeben. Es gab sogar einen gleichaltrigen Freund, der ebenfalls Priester werden wollte, es aber letztlich doch nicht verwirklichte. „Ich tue mich schwer, von einem großen Berufungserlebnis zu sprechen“, sagt Tischler. Ein wichtiger Entscheidungsgrund war aber für ihn auf jeden Fall, dass er in diesem Beruf für andere Menschen da sein kann.

Kurzzeitig hatte der Pfarrer auch an eine Ordenslaufbahn gedacht, aber wieder davon Abstand genommen. „Ich habe gemerkt, dass dies nicht mein Weg ist.“ Tischler studierte zunächst Theologie und Mathematik und wollte in beiden Fächern sein Diplom machen. Nach einigen Semestern stellte er aber fest, dass Mathematik zu sehr im Mittelpunkt stand und wählte sie wieder ab. Er belegte fortan noch Geschichte, verzichtete aber auf eine Prüfung.

Als einziger Pfarrer für zwei Kirchen erlebt Tischler auch die Ängste einiger Gemeindemitglieder, dass sie möglicherweise zu kurz kommen könnten. „Dabei liegen die beiden Kirchen nur zwei Kilometer auseinander“, schmunzelt er. Bevor er vor gut eineinhalb Jahren nach Langenhagen gekommen ist, betreute er elf Jahre in Mandelsloh ein riesiges Gebiet mit 45 Ortschaften und vier Kirchen, die jeweils etwa 15 Kilometer voneinander entfernt waren. Da erscheinen die Langenhagener Verhältnisse geradezu übersichtlich. Ohnehin ist für Tischler nicht der Pastor die Gemeinde. So versucht die Kirche die Eltern bei der Absicht, ihre Kinder im Glauben zu erziehen, zu unterstützen. „Kirche kann auf Dauer nur leben, wenn die Priesterzentrierung ein Stück weit aufgegeben wird.“ Ökumene ist dem Geistlichen wichtig. Er wünscht sich eine Konferenz aller Langenhagener Gemeinden. „Ökumene hängt ja oft am Verhältnis der einzelnen Personen zueinander, die Gemeinden haben eigentlich schon ein ökumenisches Bewusstsein.“ Ein Punkt, der ihn immer wieder bewegt, ist die versteckte Not vieler Menschen. „Dabei haben die Leute, die an der Tür stehen, nicht immer die größte Not sondern lediglich den größten Mut.“

Privat leidet der Pfarrer an einem Sammeltick. „Aber nicht im positiven Sinn, eher in der Richtung, dass ich nicht wegschmeißen kann.“ Ansonsten sind ihm Reisen wichtig, auch wenn  es sich nur im Urlaub ergibt. „Dann reise ich aber bewusst. Wenn ich im Pfarrhaus bleibe, ist es letztlich doch kein richtiger Urlaub.“ Für dieses Jahr hat er sich mit China eine „etwas den Rahmen sprengende“ Reise gebucht. Und auch der Computer ist für ihn zunehmend wichtiger geworden. „Zu Anfang habe ich ihn abgelehnt, weil er zu viel Zeit kostet, jetzt sehe ich die Vorteile.“ Dabei haben sich die Nachteile durchaus bestätigt. Denn: „Wenn ich nachts mal ans Internet gehe, dauert es.“

(Nordhannoversche Zeitung, Nr. 184 - Donnerstag, 9. August 2001)

 

Steckbrief 

Geboren

05.07.1953

Priesterweihe

13.06.1981