Priester Christi: Prof. Dr. Otto Blecher

Als Professor Dr. Otto Blecher im Juni 1946 in seine Heimatdiözese Hildesheim zurückkehrte, hatte er bereits eine verdienstvolles Priesterleben hinter sich. Nur ungern verzichtete der damalige Bischof von Leitmeritz, Anton Alois Weber, auf seinen verdienten Mitarbeiter, er mit Hunderttausenden von anderen das Sudetenland verlassen musste. „Er war ein überaus gewissenhafter und pflichteifriger Priester und Jugendseelsorger“, schrieb der Bischof damals.

Otto Blecher, am 03.12.1884 in Hildesheim geboren, hatte der Diözese Leitmeritz, wo er 1912 zum Priester geweiht worden war, mit allen Kräften gedient. Er wurde Hauptamtlicher Religionslehrer (mit dem Titel „Professor“) an höheren Schulen eingesetzt, zuletzt in Reichenberg und Gablonz, aber seine Tätigkeit ging weit über den schulischen Bereich hinaus. Er war Mitbegründer des Caritasverbandes für die Tschechoslowakei, in Nixdorf baute er das erste Caritashaus dieses Landes und rief Caritasschwestern nach dort. Auch der Diözesancaritasverband von Leitmeritz verdankt ihm viel.

Als Böhmen und Mähren 1938 zum „Reichsprotektorat“ wurden, geriet Prof. Blecher in einen gefährlichen Konflikt mit den Nationalsozialisten. In einem Brief an einen holländischen Mitbruder äußerte er unverblümt seine Ansichten; der Brief wurde von der Gestapo abgefangen und Prof. Blecher musste eine Verfahren vor dem Volksgerichtshof mit vielen Monaten Haft über sich ergehen lassen.

Bei der Vertreibung ging es ihm wie vielen seiner Mitbrüder: Er musste wieder von vorn anfangen. Bischof Dr. Joseph Godehard Machens schickte ihn nach Langenhagen am Nordrand von Hannover, wo eine neue Gemeinde aufgebaut werden musste. Von 1946 bis 1954 hat er sich dieser Aufgabe gewidmet, mit der ihm eigenen Tatkraft und etwas harten Art. Die Gemeinde verdankt ihm den Bau der Kirche (1951), ebenso Jugendheim und Pfarrhaus.

Am 18. Juli 1971 ist Professor Blecher, nach Jahren des Ruhestandes und mancherleit körperlichen Beschwerden, im Alter von 86 Jahren heimgegangen. Auf dem Friedhof in Langenhagen fand er seine letzte Ruhestädte. Dechant Heinrich Bodenburg zu dessen Pfarrei St. Joseph, Hannover, der Seelsorgsbezirk Langenhagen früher gehört hat, widmete dem Verstorbenen Worte ehrenden Gedenkens.

(Zeitungsausschnitt, 1971)

 

Steckbrief 

Geboren

03.12.1884

Priesterweihe

1912

Gestorben

18.07.1971