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Zukunft braucht Erinnerung

Von: Pressestelle des Bistums Hildesheim
10 November 2011 19:16
Kategorie: Bistum, Allgemein

Dr. Peter Frey sprach beim Jahresempfang des Katholischen Büros Niedersachsen

zwischen (von links): Prälat Prof. Dr. Felix Bernard, Leiter des Katholischen Büros Niedersachsen, Norbert Trelle, Bischof von Hildesheim, Dr. Franz-Josef Bode, Bischof von Osnabrück und Weihbischof Heinrich Timmerevers, Bischöflicher Offizial Vechta

Hildesheim/Hannover (bph) Der 9. November – ein deutsches Datum. Ein Tag der Schande, aber auch der Freude, wie ZDF-Chefredakteur Dr. Peter Frey am Mittwochabend, 9. November, beim Jahresempfang des Katholischen Büros Niedersachsen im Alten Rathaus Hannover betonte, wo er zum Thema „Verantwortung und Erinnerung – der 9. November als deutscher Schicksalstag“ sprach.

Schon mehrfach hat der neunte Tag des November wichtige Meilensteine in der deutschen Geschichte gesetzt. 1848 wurde an diesem Tag der Politiker Robert Blum hingerichtet, was das Ende der Märzrevolution einleitete. Auf den Tag genau 70 Jahre später rief Philipp Scheidemann die Republik aus und am 9. November 1938 zeigte die „Reichskristallnacht“ endgültig, was die Nationalsozialisten mit den Juden vorhatten. Wiederum ein 9. November, 1989 nämlich, hat mit dem Fall der Mauer die Wiedervereinigung Deutschlands eingeleitet.

Als Tag der Schande wie der Freude umfasse der 9. November die ganze Bandbreite der deutschen Geschichte, sagte Frey. Damit gemahne dieses Datum daran, sich zu erinnern. Dass die Deutschen, trotz mancher antisemitischer Strömungen, dennoch Zeichen des Erinnerns an die Untaten des Nationalsozialismus gesetzt haben, ist nach Freys Überzeugung ein Zeichen von Reife. Das Holocaust-Memorial in Berlin, die Mahnmale im Konzentrationslager von Bergen-Belsen und vieles andere mehr beweisen dies nach Ansicht des ZDF-Chefredakteurs. „Erinnerung ist das Fundament für Entwicklung“, zeigte sich der Journalist und Katholik in Hannover überzeugt. 

Entwicklung heißt auch Gestaltung der Zukunft. Die Lehren der Vergangenheit mahnen nach Freys Worten unsere Gesellschaft, ihren Umgang mit Fremden und Migranten zu überdenken und das Existenzrecht Israels kompromisslos zu verteidigen. Und schließlich: Die Schande und das Glück des 9. November relativieren so manches Problem der Gegenwart. Das Zusammenwachsen Europas wurde nach Krieg und Kaltem Krieg hart erarbeitet und darf in der jetzigen Finanzkrise nicht aufs Spiel gesetzt werden, warnte Frey in Hannover.

Zuvor hatten der niedersächsische Landtagspräsident Herman Dinkla und Kultusminister Dr. Bernd Althusmann in ihren Grußworten die gute Zusammenarbeit der Landesregierung mit dem katholischen Büro gelobt. Die Sehnsucht nach Orientierung sei groß in unserer Gesellschaft, sagte Althusmann. Daher seien die oft mahnenden Worte der Kirchen zwar kein Ersatz für Politik, aber eine willkommene Vergewisserung für Politiker.

Das Katholische Büro Niedersachsen ist die Kontaktstelle der beiden niedersächsischen Diözesen Hildesheim und Osnabrück sowie des Offizialats Vechta bei der niedersächsischen Landesregierung und den Behörden. Es vertritt damit rund 1,4 Millionen Katholiken. Zum traditionellen Jahresempfang waren in diesem Jahr neben dem Hildesheimer Bischof Norbert Trelle die Bischöfe Dr. Franz-Josef Bode aus Osnabrück und Weihbischof Heinrich Timmerevers, der Bischöfliche Offizial aus Vechta gekommen, daneben zahlreiche Ministerinnen und Minister der Landesregierung und Landtagsabgeordnete.