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Kunsthistoriker-Treffen in Hildesheim

Von: Pressestelle des Bistums Hildesheim
15 September 2015 08:13
Kategorie: Allgemein, Bistum

Dommuseum ist Mitveranstalter einer Tagung zur Kunstgeschichte des Mittelalters

Das Hornemann Institut der HAWK und das Hildesheimer Dommuseum sind Mitveranstalter einer internationalen Kunsthistorikertagung. Das Bild zeigt ein wertvolles Gießgefäß in Löwenform aus dem Bestand des Museums. © bph

Mittelalterforscher aus vielen Ländern treffen sich ab morgen in Hildesheim. Vom 16. bis 19. September 2015 wird das „III. Forum Kunst des Mittelalters“ in Hildesheim stattfinden. Veranstalter ist der Deutsche Verein für Kunstwissenschaft e.V. in Kooperation mit dem Hornemann Institut der HAWK Hildesheim / Holzminden / Göttingen sowie dem Dommuseum Hildesheim.

Die Bischofsstadt Hildesheim, die in diesem Jahr ihr 1200jähriges Jubiläum feiert, gehörte von der Wende des ersten Jahrtausends bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zu den wichtigsten geistigen und künstlerischen Zentren Europas. Die berühmten Kunstwerke Bischof Bernwards stehen dafür genauso wie Dom und Michaeliskirche, die gemeinsam zu den früh eingetragenen UNESCO-Welterbstätten in Deutschland zählen.

Das Jubiläum von Bistum und Stadt und die Neueröffnung des Dommuseums gaben den Anlass, das Forum Kunst des Mittelalters 2015 nach Hildesheim einzuladen. Dabei handelt es sich um einen Kongress zur Kunstgeschichte des Mittelalters, der sich auch historischen, archäologischen, denkmalpflegerischen und restauratorischen Themen widmet und mit regelmäßig etwa 400 Teilnehmern das weltweit größte Treffen seiner Art ist.

Wegen des Hildesheimer Stadt- und Bistumsjubiläums wird das Forum die im europäischen Maßstab herausragende Blütezeit Hildesheims von der Gründung bis 1250 thematisieren und zu weiteren Erkenntnissen führen. Einen besonderen Akzent setzt dabei die Plenarsektion, die dem 1000jährigen Jubiläum der Bernwardstür gewidmet ist. Im Jahr 1015 ließ Bernward nämlich die Tür versetzen, so die Inschrift auf den beiden Flügeln. Bei dieser Sektion werden nicht nur die neuesten Ergebnissen der archäologischen Domgrabungen vorgestellt, sondern auch Forschungen, die Entstehungsabsicht und das Bildprogramm unter verschiedensten Blickwinkeln und methodischen Fragestellungen ausgeleuchtet.

Dies wird ergänzt durch mehrere Sektionen und zahlreiche Vorträge, in denen Hildesheimer Werke und Zusammenhänge thematisiert werden: Ausgehend von der jüngst abgeschlossenen Restaurierung des Godehardschreins aus dem 12. Jahrhundert geht es zum Beispiel in einer Sektion um Fragen mittelalterlicher Schreine. Eine andere beleuchtet Hildesheim um 1200 als einer Zeit europäischer Globalisierung. Überhaupt spielen Themen von Kulturtransfer und Mobilität eine wichtige Rolle während der Tagung.

Der Bogen wird gespannt vom Mittelmeerraum bis nach Ostmitteleuropa, von den Karolingern bis zu den Staufern, von der Architektur bis zu sonst im Rahmen kunsthistorischer Kongresse eher wenig beachteten Themen wie Textilien, Epigraphik oder Schmuck. Über 120 Beteiligte aus 13 Ländern machen die Veranstaltung zu einem internationalen Austauschforum zur Kunst des Mittelalters.

Passend dazu startet gerade ein interdisziplinäres Forschungsprojekt unter dem Titel „Innovation und Tradition. Objekte und Eliten in Hildesheim, 1130-1250“. Darin wird Hildesheim als Zentrum von europäischem Rang im hohen Mittelalter Gegenstand mehrerer aufeinander abgestimmter Forschungsprojekte von Kunsthistorikern und Historikern der Universitäten Bonn, Kiel, Osnabrück und Potsdam sowie dem Hildesheimer Dommuseum in Kooperation mit Montanarchäologen, Metallurgen und Textilspezialisten.

Das Projekt geht aus von Dom und Michaeliskirche, die mit ihrer herausragenden Ausstattung zu den wenigen erhaltenen Gesamtkunstwerken des 10.–13. Jahrhunderts überhaupt zählen. Hinzu kommt für Hildesheim eine breite, hoch gebildete geistliche und weltliche Elite, nicht zuletzt durch die renommierte Domschule, sowie der Erzbergbau am Rammelsberg im Harz, der einen unmittelbarer Zugriff auf den für die Metallkünste wichtigen Rohstoffe ermöglichte. Dieses einzigartige Milieu soll im Rahmen des Forschungsprojekts, das im Rahmen des Förderschwerpunkts „Die Sprache der Objekte“ durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wird, erstmals zusammenhängend untersucht werden.

Das Forschungsprojekt wie auch das Forum Kunst des Mittelalters werden zudem durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert. Gabriele Heinen-Kljajić, Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, misst diesen Aktivitäten einen besonderen Stellenwert zu: „Hildesheim war im Mittelalter im internationalen Maßstab ein kultureller Leuchtturm. Dass diese Bedeutung der Welterbestadt in der Forschung aber auch im öffentlichen Bewusstsein wieder stärkere Beachtung findet, freut uns besonders.“

Veranstalter des Forums Kunst des Mittelalters ist der Deutsche Verein für Kunstwissenschaft e.V. in Kooperation mit dem Hornemann Institut der HAWK Hildesheim / Holzminden / Göttingen sowie dem Dommuseum Hildesheim. Das Forum Kunst des Mittelalters wird zusätzlich gefördert durch die Kulturstiftung der Länder, die Friedrich Weinhagen-Stiftung Hildesheim, das Geisteswissenschaftliche Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas GWZO in Leipzig, die Abegg Stiftung in Riggisberg und das International Center of Medieval Art, New York.

Im Rahmen der Tagung finden auch zwei öffentliche Vorträge statt: Am 16. September spricht Michael Brandt unter dem Titel „Mentem et oculos pascere“ über die Kunst Bischof Bernwards im Mariendom und am 17.9. Christian Freigang (Berlin) in der Michaeliskirche über „Glockenklang und Glockenträger“ zu den Zusammenhängen zwischen Musik und Architektur im Mittelalter.

Genauere Informationen zum Programm der Tagung finden Sie hier.