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Kölsches Abendmahl

Von: Pressestelle des Bistums Hildesheim
25 August 2011 15:43
Kategorie: Allgemein, Bistum

Bistum feierte ein Handwerkerfest auf der Dombaustelle

Hildesheim (bph) Kölsch statt Kelch, Kartoffeln statt Kommunion! Mitten im leer geräumten Dom hat das Bistum am Donnerstagabend, 25. August, mit allen Beteiligten an der Domsanierung ein Handwerkerfest gefeiert. 

Der Anblick war gewöhnungsbedürftig, nicht nur für fromme Katholiken: Wo einst die Orgelempore stand, wälzte sich ein Spanferkel im eigenen Sud. Wo früher Beichtstühle Vergebung verhießen, sorgten lange Biertische für Gemütlichkeit. Seit einem Jahr wird nun hart am Dom gearbeitet, nachdem er im Januar 2010 geschlossen und dann zunächst monatelang ausgeräumt worden war. Zeit, sich bei allen zu bedanken, die bislang an diesem Bau mitgewirkt haben. Auf Einladung des Bistums versammelten sich denn auch am Donnerstag, nach getaner Tagesarbeit, knapp 100 Handwerker, Bauleute, Architekten und Bauherren um vier Spanferkel und 140 Liter „Kölsch“, jenen besonderen Gerstensaft aus der rheinischen Domstadt, an den Bischof Norbert Trelle aus seiner Kölner Zeit so gute Erinnerungen hat. Da traf es sich gut, dass auch der Architekt der Domsanierung, Prof. Johannes Schilling, aus Köln kommt. Mit seiner Truppe hatte er das Bier am Vorabend vom Rhein an die Innerste gebracht. 

Über diese „wohlige Unterbrechung“ vom Baualltag freute sich denn auch Bischof Norbert Trelle. Stolz könnten alle auf das bisher Geleistet sein, lobte er und dankte Gott, dass bislang niemand auf der Baustelle zu Schaden gekommen ist. 

Befürchtungen, dieses Fest könnte die Würde des Domes verletzen, sind übrigens unbegründet. Da zur Domsanierung auch der Altar abgebaut wurde, gilt der Hildesheimer Mariendom zurzeit faktisch als „profaniert“, also vorübergehend nicht als Gotteshaus. Außerdem sei es durchaus üblich, auf Kirchenbaustellen zu feiern, erinnert sich Klaus Schlüter vom Hildesheimer Unternehmen „Schlüter Elektrotechnik GmbH“, der schon in den 50er Jahren den wiederaufgebauten Dom verkabelt hat. Damals habe man kein Geld gehabt für solche Feiern, erzählt der Seniorchef. Doch als er später mit seinem Unternehmen im Auftrag des Bistums zahlreiche Kirchen mitbaute, da wurde häufiger mal im Rohbau gefeiert. Warum also nicht auch im Dom? Mit Wehmut sieht der alte Herr, wie sein Sohn und heutige Juniorchef, Burkhard Schlüter, jene Leitungen wieder entfernt, die sein Vater einst eingebaut hat. „Ich dachte damals, der wiederaufgebaute Dom würde sehr lange so stehen bleiben“, sinniert der betagte Elektriker, „aber seit damals hat sich technisch eben unendlich viel getan.“ 

Auch Steinmetz Ellen Huizinga genießt den Abend bei Schwein und Kölsch in der Kirche. Die junge Frau hat schon am Passauer und Aachener Dom gearbeitet. In Hildesheim saniert sie vor allem die Fugen an der Außenfassade. Eine harte Arbeit, die aber auch befriedigt. „Wir erhalten damit ein Stück Kultur, das zu unserer Identität beiträgt“, ist die Handwerkerin überzeugt. 

Altes zu erhalten und dennoch Neues zu schaffen – diese Aufgabe fällt vor allem Architekt Prof. Johannes Schilling zu. Immer wieder überrascht ihn der Dom. Bei Abbrucharbeiten haben Handwerker an manchen Stellen unerwartet qualitätsvolles Mauerwerk entdeckt. Was tun damit? So manches Detail werde man wohl im Laufe des Bauens noch umplanen, sinniert der erfahrene Architekt. 

Die Bauarbeiten im Hildesheimer Dom sind voll im Zeit- und Kostenplan. Der Rohbau der Bischofsgruft ist nahezu abgeschlossen. Ab Oktober sollen im Dom wieder die Archäologen das Sagen haben, während dann mit dem Kopfbau des neuen Dom-Museums begonnen wird. Am 15. August 2014, dem Patrozinium des Doms, soll die Bischofskirche wieder geöffnet werden. Rund 30 Millionen Euro werden dann verbaut sein. 

Weitere Informationen zur Domsanierung: 
www.domsanierung.de