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In den Schuhen eines Bischofs

Von: Pressestelle des Bistums Hildesheim
18 August 2011 19:01
Kategorie: Allgemein, Erwachsene, Bistum

Auf dem Sigwardsweg von Minden nach Idensen im Bistum Hildesheim

Hildesheim (bph) Wandern im Namen des Herrn ist zum neuen Volkssport geworden: Immer mehr Menschen greifen zu Wanderstock und Rucksack. Zugleich erleben viele alte Pilgerwege eine Renaissance – zum Beispiel der Sigwardsweg des alten Bistums Münster, der auch das Bistum Hildesheim streift. 

Dieser Weg hat es in sich! – nicht wegen der körperlichen Anstrengung, sondern wegen der abwechslungsreichen Natur: Auf dem Sigwardsweg, der Minden mit dem Steinhuder Meer verbindet, pilgert der Wanderer durch Fichten- und Buchenwälder, satt-grüne Ebenen und Auen der Weser und des Mittellandkanals, er kommt durch lebendige Städte und verschlafene Dörfer. Die Natur ist nah, der Alltagsstress dagegen weit weg. 

Dieses wohlige Gefühl schätzt auch Rudolf Krewer (68) aus Stadthagen: „Ich kenne fast alle Pilgerwege in Norddeutschland und bin schon 2000 Kilometer gewandert“ erzählt der erfahrene Wallfahrer. „Pilgern macht mich süchtig, obwohl es eine geistige und körperliche Anstrengung ist. Den Sigwardsweg bin ich bereits zweimal gegangen, einmal sogar mit einer Gruppe Firmlingen.“ Auf dem Weg verfliegt die Hektik des Alltags, berichtet Krewer mit einem Anflug von Begeisterung, man fühle, sehe, rieche und höre mehr. „Ich habe Zeit und Ruhe über alles nachzudenken. In den kleinen Kirchen meditiere ich und merke, welchen Ballast des Alltags ich mit mir herumschleppe. Pilgern befreit mich.“ Dazu kommen die Begegnungen mit anderen Wallfahrern am Wegrand, aus denen sich nicht selten spirituelle Gespräche entwickeln. 

Tatsächlich: Pilgern befreit den Geist und reinigt die Seele. Nur schwer kann sich der Wanderer der Ruhe entziehen, die von den heiligen Orten ausgeht, zum Beispiel der Sigwardskirche in Idensen. Diese romanische Kirche mit ihren beeindruckenden Fresken ist das eigentliche Ziel der Pilgertour – wie schon im 12. Jahrhundert, als sich Bischof Sigward von Minden zu dieser Kirche aufmachte. Sein Wahlspruch von damals ist auch der des heutigen Sigwardsweges: „Sum quod eram, nec eram quod sum. – „Ich bin, der ich war, war aber nicht, der ich bin.“ Dieser Satz ist auf dem Pilgerweg allgegenwärtig, man hat ihn auf dem Logo verewigt sowie im Pilgerpass. Die Originalroute des Bischofs Sigward ist nicht mehr bekannt. Heute verläuft die 2009 eröffnete Wanderstrecke daher entlang zweier Wegtrassen, die als vermutliche Route des Geistlichen gelten. 

Wer war überhaupt dieser Bischof Sigward, der als hoch gebildet und weit gereist geschildert wird? Er lebte von 1120 bis 1140 am Dom zu Minden. Darüber hinaus war er ein einflussreicher Berater von Lothar von Supplingenburg, der 1125 zum König und sieben Jahre später zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurde. In dieser Zeit ließ sich Sigward eine eigene Grabkirche mit wertvollen Fresken in Idensen bauen. Diese Wandmalereien gelten bei Experten übrigens als einmaliges Kulturgut in Norddeutschland. An den Wänden und in den Gewölben des Gotteshauses sind große Teile der vor 900 Jahren gemalten biblischen Bildmotive noch gut erhalten. Es heißt, dass Sigward diese Kirche sehr oft besucht habe. 

Insgesamt führt der Pilgerrundweg von Minden über 24 Pilgerstationen bis zur Sigwardskirche in Idensen. Auf zwei Trassen, einer Süd- und einer Nordroute mit je fünf Etappen, sind die Stationen miteinander verbunden. Zusammen bilden sie einen Rundweg von etwa 170 km Länge. Dabei kreuzt der Weg die Bistümer Hildesheim und Osnabrück. Wer den Weg ganz begeht, sieht unter anderem den Dom von Minden, das Bückeburger Schloss und die St. Laurentiuskapelle – älteste Fachwerkkapelle Deutschlands in Nemmen bei Porta Westfalica. Auch die zweischiffige Hallenkirche in Apelern, das Zisterzienserkloster in Loccum, das Benediktinerkloster in Schinna und die Mühle in Großenheerse liegen am Wegesrand. Der Sigwardsweg kann alleine bewältigt werden, aber auch im Rahmen von geführten Touren. 


Informationen über geführte Touren auf dem Sigwardsweg: 
Irene Esser, Haus der Kirche in Minden, 
Tel.: (0571) 8374494 
E-Mail: pilgerbuero(at)sigwardsweg.de 

Der Sigwardsweg im Internet: 
www.sigwardsweg.de 

Pilgerweg-Portionen 
Der gesamte Sigwards-Rundweg lässt sich am besten in zehn Etappen erwandern. Die einzelnen Abschnitte, Kilometer und durchschnittlichen Wanderzeiten:

  • Minden – Hausberge, Länge: 10,9 km, Wanderzeit: 3 Stunden
  • Hausberge –Bückeburg, Länge: 16,5 km, Wanderzeit: 5 Stunden
  • Bückeburg - Obernkirchen, Länge: 10,5 km,  Wanderzeit: 3,5 Stunden
  • Obernkirchen – Bad Nenndorf, Länge: 26,7 km, Wanderzeit: 6,5 Stunden
  • Bad Nenndorf – Idensen , Länge: 13,6 km, Wanderzeit: 3,5 Stunden
  • Idensen - Loccum , Länge: 21,8 km, Wanderzeit: 5,5 Stunden
  • Loccum - Stolzenau, Länge: 17,1 km, Wanderzeit: 4 Stunden
  • Stolzenau - Großenherse, Länge: 22,9 km, Wanderzeit: 5,5 Stunden
  • Großenherse - Petershagen, Länge: 13,3 km, Wanderzeit: 3 Stunden
  • Petershagen - Minden, Länge: 14,7 km, Wanderzeit: 4 Stunden