Quer gedacht

Weniger ist mehr (28.11.2015)

Morgen feiern die Christen mit dem ersten Advent den Beginn der Adventszeit. Gefühlt aber hat der Advent schon im September begonnen. Die Supermärkte und
Discounter scheinen sich Jahr für Jahr gegenseitig überbieten zu wollen, wer den ersten Christstollen, Spekulatius oder Schokoladenweihnachtsmann zum Kauf
anbietet. Und es dauert dann auch nicht mehr lange, bis die Weihnachtsdekoration
die Läden schmückt. Glitzernder Christbaumschmuck und leuchtende Lichterketten sollen uns zum Kauf animieren. Gehen wir jetzt durch unsere Stadt, so sehen wir leuchtende Sterne an Lampenmasten und Bäume mit hunderten von Lichtern, die die dunklen Straßen erhellen. Spätestens jetzt, am Beginn der Adventszeit, öffnen auch die letzten Weihnachtsmärkte ihre Pforten. Allein in Hannover kann man wieder in der Altstadt, auf dem Ernst-August-Platz und auf der Lister Meile von Marktbude zu Marktbude schlendern. In der Region Hannover gibt es 16 Orte mit Weihnachtsmärkten, die mit Karussells, Punsch, Mandelkern und weihnachtlicher Musik Jung und Alt auf Weihnachten einstimmen wollen. Die Adventszeit aber ist mehr. Die Adventszeit ist einerseits Vorbereitungszeit auf die weihnachtlichen Hochfeste mit der Erinnerung an die Geburt Jesu, vor mehr als zweitausend Jahren. Zugleich steht die Adventszeit auch für die Erwartung der zweiten Ankunft Christi am Ende der Zeiten, so beschreibt es die Einführung in den Advent, im Direktorium der katholischen Kirche. Der Adventskranz mit seinen vier Kerzen begleitet uns durch diese Zeit. An jedem Sonntag wird eine Kerze mehr auf dem Adventskranz entzündet. Das zunehmende Licht drückt unsere steigende Erwartung auf die Geburt Jesu aus, der in unserem christlichen Glauben als „Das Licht der Welt“ bezeichnet wird. Nehmen Sie sich morgen Zeit. Entzünden Sie nur diese erste Kerze am Adventskranz. Lesen Sie ein gutes Buch oder hören Sie Musik bei einer schönen Tasse Tee oder Kaffee. Sie werden spüren: Weniger ist mehr.


Erschienen im Langenhagener Echo am 28.11.2015

 

Quer Denker 

Wolfgang Frost, Gemeindereferent

 
 
 

Neu Anfangen - Veränderungen (5.9.2015)

Das Kindergartenjahr ist zu Ende, es fangen neue Kinder dort an. Die Ferien- und Urlaubszeit ist für die meisten von uns vorbei. Der Alltag beginnt wieder, Vertrautes wird fortgesetzt, Neues beginnt, ein neuer Lebensabschnitt fängt an. Nach der Schulzeit beginnt nun die Berufsausbildung oder das Studium. Weichen für das weitere Leben wurden oder werden gestellt. Nach den Ferien beginnt jetzt in der Schule das neue Schuljahr. Für manche Schüler heißt das, in eine neue Klasse oder vielleicht sogar an eine neue Schule zu kommen. An diesem Wochenende beginnen viele Schulanfänger einen neuen Weg. Dieser Tag ist in unseren Familien ganz wichtig geworden. Eine große Schultüte, eine Feier im
Familienkreis machen dies‘ äußerlich deutlich. Die Kirchen möchten diesen entscheidenden Schritt mit Gottes Segen mitgehen. So gibt es allein in Langenhagen in diesen Tagen sechs verschiedene ökumenische Schulanfängergottesdienste. Eltern merken, wie ihre Kinder langsam groß werden, sie entlassen sie einen weiteren Schritt in die Selbständigkeit. Für die Kinder beginnt Neues und Ungewohntes. Sie lassen Vertrautes zurück und lernen in einem anderen Umfeld neue Menschen und neue Freunde kennen.
In unserer Kirchengemeinde haben wir in den 2 -3 Jahren grundsätzlicher
über unser Tun nachgedacht. Was ist in einer Gemeinde wichtig? Wie möchten wir uns darstellen? Was sollen innergemeindlich unsere Schwerpunkte im Glauben und im Leben sein? Daraus hat sich auf einem intensiven Weg ein umfangreiches Pastoralkonzept entwickelt. In unserem Leitbild heißt es unter anderem:
„wir stellen uns den Herausforderungen der Zukunft in unserer Stadt, die durch Zuzug weiter wächst, und wir möchten den Menschen geistliche und soziale
Heimat sein.“ Nun soll es endlich konkret werden. Wir wollen auf dem Hintergrund vieler Dinge, die in der Vergangenheit schon geschehen sind, neu anfangen. Wir
starten mit einem fröhlichen Gottesdienst am 13. September um 10 Uhr im Rathausinnenhof. Anschließend wollen wir mit einem zwei- bis dreistündigen Programm durch das Matthias Brodowy führt, unser Konzept durch Gespräch,
Diskussion und Darstellungen vorstellen. Wenn Sie mehr davon hören wollen, was sich bei uns verändern könnte und wie unser Neuanfang aussehen könnte, feiern Sie mit uns und seien Sie im Rathausinnenhof dabei.

 

Quer Denker 

Klaus-Dieter Tischler, Pfarrer

 
 
 

Nimm die Menschen so, wie sie sind (28.07.2012)

Vor wenigen Minuten war einmal wieder jemand bei mir an der Tür, der mich um Unterstützung bzw. Geld bat. In solchen Situationen merke ich deutlich, wie sich meine ReaktionimLaufe der Jahre verändert hat.Manche negative Erfahrungen
haben zu einem Vertrauensverlust geführt, der mich heute verhaltener reagieren lässt. Das abnehmende Vertrauen unserer Zeit ist einer der wesentlichen Gründe dafür, dass das Leben so schwierig und unstet geworden ist. Trägt doch das Vertrauen dazu bei, dass das menschliche Zusammenleben erträglicher wird, ja es ist sogar die Grundlage allen Glükkes, es nimmt aus dem sozialen Miteinander Ungewissheit und Ängste. Ich höre jetzt schon lautstark Ihre Widersprüche, die mit
meiner Eingangsbeschreibung einhergehen: „Ich habe schon so vielen Menschen vertraut und bin dabei so oft enttäuscht worden, dass ich mir heute dreimal überlege, ob ich noch jemandem mein Vertrauen schenke.“ Wenn unser Vertrauen missbraucht wird, ist dies’ eine ganz schlimme Erfahrung. Doch liegt das Problem nicht oft darin, dass wir häufig zu viele Erwartungen und Hoffnungen in unsere Mitmenschen setzen, die diese gar nicht erfüllen können. Ist unser Vertrauen immer gewollt oder gerechtfertigt? Spielen nicht oft unsere Erwartungen, Wünsche und Vorstellungen eine wesentliche Rolle? Denken Sie z.B. an den Schulwechsel nach der Grundschule. Viele Eltern sind heute überzeugt ihr Kind gehört auf das Gymnasium. Von der Schule wird erklärt, dass sie dazu keine Empfehlung ausspricht. Enttäuschung macht sich breit, natürlich sind die Lehrer und das miserable Schulsystem schuld. Vielleicht ist es aber auch so, dass die Hoffnungen in das eigene Kind, das Vertrauen in dessen Leistungsfähigkeit unbegründet und überzogen waren. Abgesehen von der Frage, wie es dem Kind langfristig mit dem
Wunsch und den Erwartungen der Eltern geht. Wen können wir für unseren Vertrauensverlust verantwortlich machen? Liegt die Schuld nicht ganz häufig bei uns, in unserer falschen Einschätzung? In unserer Vermessenheit (sich im wahrsten Sinne vermessen zu haben) und der immerwährenden Erwartung? Nehmen wir unser Gegenüber doch einfach so an, wie es ist!

Erschienen im Langenhagener Echo am 28. Juli 2012

 

Quer Denker 

Klaus-Dieter Tischler, Pfarrer

 
 
 

Was treibt uns an (30.06.2012)

Als ich mir in den letzten Tagen Geld aus demGeldautomaten meiner Bank holte, schlug mir von dem Bildschirm ein Werbespruch entgegen, der inhaltlich etwa so
hieß: Erna, Martha, Olga - sie alle haben etwas, was sie antreibt. Sofort blieb ich bei diesem Gedanken hängen und mir fielen ganz unterschiedliche Menschen ein. Ich dachte an die letzten Wochen und die Fußballbegeisterung vieler Menschen während der Europameisterschaft, an das Endspiel am morgigen Sonntag. An eine FreudeamWettkampf, aber auch an die Tatsache, dass Fußball plötzlich die wichtigste Sache der Welt zu sein schien. Menschen kamen mir in den Sinn, die sich intensiv im Beruf engagieren und die sich fast rund um die Uhr in der Verantwortungsehen. Menschen, die ihre berufliche Karriere und ihr Fortkommen
im Blick haben und denen kaum Zeit für den Alltag und ihr Lebenbleibt.Menschen, denen Besitz und Geld ganz wichtig ist, schließlich regiert Geld die Welt und wer Geld hat, hat Macht, Einfluß, Ansehen und Freunde. Ich dachte an Menschen, denen Bildung und Wissen ganz wichtig ist und die in dieser Richtung viel Interesse
und Motivation zeigen. Mir kamen Menschen in den Sinn, die viel dafür tun für andere da zu sein. Menschen, die nicht nur Mitglied in einem Verein sind, sondern
sich in einen der ungeliebten Posten einbinden lassen. Menschen, die Not anderer wahrnehmen und zur Unterstützung auf vielfältige Weise bereit sind. Das gute Wort zur rechten Zeit, tatkräftige Hilfe, wo der Nachbar oder andere an Grenzen stoßen und eine helfendeHand gebraucht wird, das Engagement in einer Kirchengemeinde oder anderen Organisationen. Viele Dinge, Inhalte und Personen
können uns antreiben. Es ist gut, mitunter über unsere Schwerpunktsetzung nachzudenken. Wie sieht es mit unseren Gewichtungen aus? Was bestimmt mein Leben und den Alltag? Was ist wirklich wichtig? Manche Geschichten und Erzählungen rufen uns diesbezüglich zur Besinnung auf: „Für wen gehst Du?“ fragt beispielsweise eine bekannte chassidische Geschichte. Oder denken wir an die oben erwähnte Reklame. Wenn jeden etwas antreibt, was treibt Sie an?

Erschienen im Langenhagener Echo am 30. Juni 2012

 

Quer Denker 

Klaus-Dieter Tischler, Pfarrer

 
 
 

Der Name macht uns unverwechselbar (09.06.2012)

Zu Beginn jeder Tauffeier wird bei uns die Frage nach dem Namen gestellt. Bei der Taufe eines Kleinkindes werden die Eltern gefragt: „WelchenNamenhabenSie Ihrem Kind gegeben?“ Der Name macht deutlich, dass jeder Einzelne etwas
Besonderes und Einzigartiges ist. Er setzt uns von der großen anonymen Masse ab und macht unsere Individualität deutlich. Viele Eltern haben mit Sorgfalt und einigem Aufwand den Namen ihrer Kinder ausgewählt. Vielleicht verbinden Sie den Namen mit einer für sie wichtigen Person, einem Idol oder einemHeiligen; oder sie
haben auf die Bedeutung des Namens geschaut und betrachten die Namensgebung als eine Art Programm. Vielleicht ging es aber auch einfach nur um den Klang oder die Schönheit des Namens, um die Frage, ob es mit diesem oder jenem Namen leichter oder schwerer ist, durch die Welt zu gehen. Der Name ist ein Teil meiner
Identität und begleitet mich mein ganzes Leben lang. Wie jemand mit meinem Namen umgeht, wie er mich anspricht, kann die Nähe zueinander aufzeigen, kann verdeutlichen wie wichtig ich ihm bin. So bin ich zum Beispiel mitunter enttäuscht, wenn mein Gegenüber, obwohl wir uns regelmäßig begegnen, meinen Namen
immer noch nicht kennt. Die Kurzform oder eine Koseform kann dagegen ein Zeichen besonderer Vertrautheit sein. Im religiösen Bereich wird durch den Namen
ebenso deutlich, wie wichtig und einmalig wir für Gott sind. Wir sind ganz persönlich mit unserem Namen gerufen. Zuerst wird dadurch erfahrbar, uns ist in
allen Höhen und Tiefen unseres Lebens, Gottes Nähe und Hilfe zugesagt. Durch die Taufe sind wir aber auch in den Dienst und die Nachfolge Jesu Christi berufen.
So müssen wir uns als Christen fragen lassen: Wie setzen wir unseren Namen ein? Wird durch uns und die Art, wie wir mit anderen und ihrem Namen umgehen,
spürbar, welche großartige und frohmachende Botschaft uns bewegt? Wird deutlich, dass jeder Mensch etwas Besonderes und Einzigartiges ist, dass jeder
Mensch seine eigene Würde hat und wir so in die Verantwortung gerufen sind, respektvoll und anständig einander zu begegnen. Unabhängig von unterschiedlichen Überzeugungen, Kulturen, Verhaltensweisen und äußerem
Eindruck.

Erschienen im Langenhagener Echo am 9. Juni 2012

 

Quer Denker 

Klaus-Dieter Tischler, Pfarrer

 
 
 

Fronleichnam – eine Demostration gelebten Christentums (02.06.2012)

Zehn Tage nach Pfingsten feiert die katholische Kirche das Fronleichnamsfest.
Der Name Fronleichnam stammt aus der Entstehungszeit des Festes vor rund 750
Jahren. Im Mittelhochdeutschen bedeutet „Fron“ Herr und „Lichnam“ nicht etwa Leichnam, wie man annehmen könnte, sondern der Leib. In der Liturgie heißt das
Fest Hochfest des Leibes und Blutes Christi. Wir feiern die Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus beim letzten Abendmahl. Sie ist eigentlich Mittelpunkt des Gründonnerstages, wird aber an diesem Tag - durch den Charakter der Karwoche - nicht so prunkvoll gefeiert. Das Fest geht auf eine Vision der später
heiliggesprochenen Ordensfrau Juliana von Lüttich im Jahre 1209 zurück. Sie sah den Mond, der an einer Stelle einen dunklen Fleck hatte. Christus habe ihr erklärt, dieser Fleck bedeute das Fehlen eines eigenen euchristischen Festes im  Kirchenjahr. Papst Urban IV. ordnete das Fest 1264 für die Gesamtkirche an. Die Dominikaner förderten die Ausbreitung des Festes. Seine besondere Prägung erhält
Fronleichnam durch die Prozession. Die erste Fronleichnamsprozession fand 1279 in Köln statt. Für Hildesheim ist das Jahr 1301 belegt. Zunächst trug man das Altarssakrament in der geschlossenen Pyxis, einemHostienbehälter. Seit dem 14. Jahrhundert ist es Brauch, das Allerheiligste sichtbar in derMonstranz unter einem Baldachin mitzutragen. Die Feierlichkeiten beginnen vielerorts mit einer Heiligen Messe im Freien. Anschließend wird die geweihte Hostie in einer Prozession zu vier
Altären getragen. Dort wird aus den vier Evangelien gelesen, es wird gebetet und Fürbittenwerden gesprochen. Den jeweiligen Abschluss bildet der Segen in alle
Himmelsrichtungen und über die Stadt. Wir feiern so die Gegenwart Jesu im eucharistischen Brot. Die Fronleichnamsprozession ist auch heute noch eine Demonstration gelebten Christentums. Ein Fest, das Sie jetzt vielleicht besser verstehen.

Erschienen im Langenhagener Echo am 02. Juni 2012

 

Quer Denker 

Wolfgang Frost, Gemeindereferent

 
 
 

Sonne schenkt Licht und Wärme (28.04.2012)

Das Wetter spielt bei vielen Menschen und in verschiedenen Situationen eine wichtige Rolle. Nach einem langen und kalten Winter sehnen sich viele nach Helligkeit, Licht und Wärme. Nach Tagen mit typischem, sehr wechselhaftem
Aprilwetter wächst das Bedürfnis nach Beständigkeit und schönem Wetter. Dabei gibt es sehr wohl das realistische Bewusstsein, es ist gut, dass wir uns das Wetter nicht aussuchen können. Unsere Umwelt, die Flora und Fauna, braucht für einen natürlichen und gesunden Kreislauf unterschiedliche Wetterformen. Da bedarf es der Sonne, der Wärme und des Lichtes genauso wie des Regens, der Feuchtigkeit und der Kälte. Dennoch hört man immer wieder Reaktionen wie: „Jetzt reicht es aber, langsam dürfte es wieder wärmer und sonniger werden!“ „Dieses Wetter schlägt auf dasGemüt.“ „Es ist doch viel angenehmer, wenn die Sonne scheint, man nicht so wetterabhängig ist und die Vorteile des schönen Wetters genießen kann.“ Die Begriffe Sonne, Licht und Wärme sind für uns eher positiv besetzt. Kein Wunder, dass wir in einer religiösen Bildersprache solche Begriffe auch gern mit Gott in Beziehung setzen. Am 6. und 13. Mai werden in unserer Gemeinde 32 Kinder zur feierlichen Erstkommunion gehen. Das Thema dieser Gottesdienste lautet: „Gottes Liebe leuchtet wie die Sonne“. Verschiedene Gedanken spielen bei diesem Thema eine Rolle. Kinder freuen sich besonders über die Sonne, schönes Wetter und die damit verbundene Wärme. Sie sollen erfahren, dass Gottes Liebe auch ein Grund zur Freude ist. Die Tatsache, dass wir von Gott geliebt sind, kann auch in unser Leben Licht und Wärme bringen. Ein Wunsch, den wir in diesem Moment besonders für den Lebensweg der Kommunionkinder haben. Viele Menschen sehnen sich nach Sonne, Licht. Wärme und Geborgenheit. Die Sehnsucht nach Gott scheint dagegen eher etwas verhaltener zu sein. Es wäre schön, wenn die Christen unter uns mehr Mut hätten, ihre positiven Erfahrungen mit Gottes Liebe zu erzählen und weiter zu geben. Vielleicht würde die Sehnsucht nach Gott dann auch einen anderen Stellenwert bekommen.

Erschienen im Langenhagener Echo am 28. April 2012

 

Quer Denker 

Klaus-Dieter Tischler, Pfarrer

 
 
 

Ich verstehe nur Bahnhof (10.03.2012)

Heute endet nach fünf Tagen die CeBIT, die weltweit wichtigste Messe der digitalen Industrie. Seit 1986 findet sie jedes Jahr im Frühjahr auf dem Messegelände statt. Aber was bedeutet CeBIT? CeBIT ist einAkronym. Es steht für „Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation. Ein langer Begriff, einprägsam abgekürzt. Doch höre oder lese ich über die Neuheiten der Branche, verstehe ich, als Laie, immer öfter nur noch „Bahnhof“. Ichweiß nicht, wie es Ihnen damit ergeht? Ein „Childpad“ z.B. ist ein kindgerechter Tablet PC = „ein tragbarer Computer ohne Tastatur, mit berührungsempfindlichem Bildschirm“, mit dem auch die Kleinsten ihren eigenen speziellen Computer besitzen können. Als Handynutzer sollen wir besser vor Cyber-Angriffen = „Angriffen aus dem Internet“, geschützt werden. Das klingt für mich nach „Krieg der Sterne“. Und viele neue Apps = Applikationen = „Programme für Anwender“ auf dem Smartphone = „ein Mobiltelefon mit Computerfunktion“ sollen uns den Alltag erleichtern. Für Besucher der CeBIT gab es die „CeBIT-2go“. Eine App zur Messe, die über WLAN = „Wireless Local Area Network = ein „drahtloses lokales Netzwerk“ zu empfangen war.Die Themen der letzten drei CeBIT Ausstellungen waren:

  • „Connected worlds“ = „Vernetzte Welten“,
  • „Work and Life with the cloud“ = „Arbeit und Leben mit einem bedarfsgerechten Netzwerk“ und
  • „Heart of the digital world“ = „Herz der digitalen Welt“.

Es geht um die „Technik als Schnittstelle von Kontakt und Dialog“, so die
Messeplaner. Doch wo bleibt der Mensch? Wo findet persönlicher Kontakt statt? Wir wollen überall und zu jeder Zeit erreichbar sein. Ein plötzliches Funkloch oder ein leerer Akku brechen jede Verbindung ab. Nur zu einem können wir stets Verbindung halten, ohne Handy und WLAN. ER ist für uns immer erreichbar. Vielleicht, um IHM für alles zu danken? - Können Sie binärisch?
Es ist: 01000111 01101111 01110100 01110100. - GOTT.

Erschienen im Langenhagener Echo am 10. März 2012

 

Quer Denker 

Wolfgang Frost, Gemeindereferent

 
 
 

Ärgernis oder Lebensfreude (11.02.2012)

„In den nächsten anderthalb Wochen  wird man auch hier im Norden an der einen oder anderen Stelle auf den Karneval stoßen. Dabei gehen die Meinungen im persönlichen Umfeld weit auseinander. Die einen freuen sich auf einzelne Karnevalsitzungen im Fernsehen oder vielleicht sogar auf eine Faschingsfeier im Verein oder im Privaten. Kinder freuen sich über den Spaß und das Verkleiden können. Auch innerhalb und zwischen den christlichen Konfessionen und Gruppen gehen die Meinungen zum Fasching auseinander. Gibt es eine Verbindung von Glaube/Kirche und Karneval? Wenn man einmal von den Ursprüngen dieser fünften Jahreszeit absieht, findet man unter anderem im Internet folgende unterschiedliche Positionen kirchlicher Vertreter:  „Jesus hatte Humor, also dar Jeder von uns nach eigener Lust ernst oder lustig sein.“ Karneval ist ein Fest, dass niemals zu Ehren des Herrn sein kann. Es ist sogar ein Fest, dass in den Augen Gottes ganz abscheulich ist. Für die einen sind Karnevalsveranstaltungen im Extrem ein Nährboden für Alkohol, Ausschweifungen, Völlerei , ja wörtlich: Hurerei und Ehebruch, und für die anderen eine Form überschäumender Lebensfreude; Lachen ist hier ein Ausdruck einer Freude, zur der wir Christen allen Grund haben. Mitunter aber gehen die Meinungen über die Verbindung von Glaube und Karneval auseinander. Ist es richtig, wenn die Kölner Kult-Band Brings in diesem Jahr im Karneval den Song „Hallelujah“ singt? Wenn in machen Gemeinden Kinder in Verkleidung zum Gottesdienst eingeladen werden? Wenn ich in verschiedenen Jahren die Predigt in Reimform gehalten habe? In meiner katholischen Tradition  kann ich nicht verhelen, dass die Faschingszeit für mich in Beziehung zur Fastenzeit steht. Mit Theresa von Avila denke ich: „Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn; wenn fasten, dann fasten.“ Ob ich mich in den Formen des Anstands von der Freunde oder dem Ernst leiten lasse, oder ob ich  für Karneval offen bin oder eher vor ihm flüchte – wir sind doch zur Freiheit berufen. Wer Konfetti und Pappnasen  hasst, der lache das närrische Treiben getrost aus. Wer aber Spaß an der offiziellen Lustigkeit hat, dem drückt unser Herr selbst eine Luftschlange in die Hand: „Werdet wie die Kinder, die den Fasching lieben“.

Erschienen im Langenhagener Echo am 11. Februar 2012

 

Quer Denker 

Klaus-Dieter Tischler, Pfarrer

 
 
 

Einen guten Rutsch – einen guten Anfang! (31.12.2011)

Viele Menschen wünschen sich heute: „Einen guten Rutsch“. In Jahren mit Schnee und Eis haben Sie vielleicht schon manchmal gedacht: „Eigentlich möchtest du gar
nicht rutschen.“ Aber darum geht es ja auch nicht. Gemeint ist ein guter Anfang, das beinhaltet das hebräische Wort „rosch“, das wir zu „Rutsch“ verballhornt haben. Ein neues Jahr ist in der Tat ein Anfang. Ein Anfang, dem in den ersten Tagen ein Zauber innewohnt, der Zauber des Unberührten und Neuen, der Reiz des Unbekannten und Verlockenden. Aber da gibt es auch die bedrohliche und Angst machende Seite. Was ist mit den negativen Erfahrungen, Katastrophen und Krisen des vergangenen Jahres? Ist das wirklich alles vorbei? Wie geht es weiter? Was bringt die Zukunft bezüglich der Partnerschaft, des Arbeitsplatzes und der Gesundheit? Wie kann das Jahr 2012 zu einem guten Jahr werden? Die meisten meinen: Dazu müssten wir mehr Geld haben, eine bessere Wirtschaft, eine funktionierende Gesundheitsversorgung und so weiter. Doch dies alles scheint mir zunächst nicht so wichtig. Zunächst ist Weisheit vonnöten, ein Urteilsvermögen,
das die Dinge ins rechte Licht zu stellen vermag und das die Rangfolge der Werte beachtet. Den Mut zu haben, die alltäglichen Herausforderungen zum Wandel zu erkennen und anzunehmen. Dann können wir vielleicht die Neujahrswünsche von
Peter Rosegger leichter umsetzen: „Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit. Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid. Ein bisschen mehr Liebe und weniger
Hass. Ein bisschen mehr Wahrheit - daswärewas. Statt so viel Unrast ein bisschen mehr Ruh. Statt immernur ICH einbisschen mehr DU. Statt Angst und Hemmung
ein bisschen mehr Mut. Und Kraft zum Handeln - das wäre gut. In Trübsal und Dunkel ein bisschen mehr Licht. Kein quälend Verlangen, ein bisschen Verzicht. Und vielmehr Blumen, solange es geht. Nicht erst an Gräbern - da blühn sie zu spät. Ziel sei der Friede des Herzens. Besseres weiß ich nicht.“ Nicht alles was des Wandels bedarf, ist von Menschen machbar. Wir dürfen uns auch im Neuen Jahr von Gott begleitet und getragen wissen. In diesem Sinn: Einen guten „Rutsch“

Erschienen im Langenhagener Echo am 31.12.2011

 

Quer Denker 

Klaus-Dieter Tischler, Pfarrer

 
 
 

Wenn du in Eile bist, mach einen Umweg (17.12.2011)

Die letzten Tage vor Weihnachten sind für viele eine hektische Zeit. Ich las dieser Tage einen Impuls, den ich interessant fand, wenn er auch für diese Adventszeit doch schon relativ spät kommt. Es gibt wichtige Termine, da will man sich auf keinen Fall verspäten. Aber genau dann verpasst man den Bus, es kommt eine Baustelle oder Umleitung, man verläuft sich und wird immer hektischer. Dabei möchte man in einer solchen Situation eigentlich nur schnell ans Ziel kommen. Ein japanisches Sprichwort rät aber genau das Gegenteil: „Wenn du in Eile bist, mach einen Umweg.“ Zunächst ein seltsamer Rat, aber vielleicht doch ein wichtiger Impuls. Ein Umweg bremst uns und zwingt zur Langsamkeit, lässt uns Innehalten in unserem Rennen und Hasten.Wir bekommen plötzlich eine Atempause und gewinnen Zeit. Zeit für uns selbst; Zeit, die uns unerwartet Raum gibt, uns auf das Kommende einzustellen. „Wenn du in Eile bist, mach einen Umweg.“ Ein guter Rat auch für die Hetze der letzten Adventstage? Mach einen Umweg: Geh’ von der überfüllten Geschäftsstraße in die stillere Seitenstraße. Hier wirst du nicht gedrängt und geschoben, kannst innehalten, Tempo und Richtung selbst bestimmen. Vielleicht gibt es hier auch eine Kirche, die dich zur Ruhe einlädt und überlegen lässt, was Weihnachten dir bedeutet. Schwimme nicht mit dem Strom derer, die Weihnachten entgegen hasten, nimm dir einen Augenblick Zeit und vergiss die vorweihnachtliche Geschäftigkeit. Mach einen Umweg kann auch heißen: Setze in diesen Tagen ein Zeichen der Verbundenheit, vielleicht durch einen kleinen Besuch in deiner Umgebung bei jemandem, der krank oder einsam ist. Ein Umweg kann auch der Umweg nach innen sein: Die Adventszeit lädt uns ja auch in den letzten Tagen noch ein, unserem Leben auf den Grund zu gehen. Was ist aus meinem Glauben, was ist aus meinen Hoffnungen und ausmeinen Zielen geworden? Was erwarte ich noch und wofür kann ich dankbar sein? Wenn du an Weihnachten ganz da sein willst – mach einen Umweg! (Gedanken aus: Wolfgang
Raible, 100 Kurzansprachen).

Erschienen im Langenhagener Echo am 17.12.2011

 

Quer Denker 

Klaus-Dieter Tischler, Pfarrer

 
 
 

Gegen den November-Blues (05.11.2011)

Geht es Ihnen auch so? Kaum hat sie wieder begonnen, die dunkle Zeit des Jahres, da hat er mich wieder voll im Griff, der „November-Blues“. Mit den sinkenden Temperaturen ist auch mein Elan gesunken. Irgendwie bin ich lustlos und schlapp. Dazu werden die Tage immer kürzer. Es ist nasskalt und morgens oftmals neblig und ungemütlich. Eben typisch November. Nicht von ungefähr hieß der November früher auch „Nebelung“ oder „Nebelmonat“. Dann hat der November noch einen bekannteren Beinamen: „Totenmonat“. Gleich vier Mal erinnern wir uns in diesem Monat an die Toten. Am 1. November feiert die katholische Kirche das Fest Allerheiligen. Wir denken an alle Heiligen und Märtyrer. Am darauf folgenden Tag, dem2. November, begehen die Katholiken den Allerseelentag. An diesem Gedenktag für alle Verstorbenenbesuchen sie zur Gräbersegnung die Gräber ihrer Angehörigen. In der evangelischen Kirche wird am Ewigkeits- oder auch Totensonntag der Verstorbenen gedacht. Er ist der letzte Sonntag im kirchlichen Jahreskreis. Ein weltlicher Totengedenktag ist der Volkstrauertag. Man erinnert an die vielen Opfer der beiden Weltkriege. In der Bibel, im Alten Testament, lesen wir im Buch Kohelet 3,1+2: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen.“ Im November endet die Landarbeit mit der letzten Ernte. Das Land wird für die Winterruhe vorbereitet. Nutzen auch wir die ruhige Zeit, um wieder Kraft zu tanken. Gönnen wiruns einfachmal etwas Schönes. Ohne schlechtes Gewissen. Es schadet nicht, wenn wir in diesen Tagen etwasmehr über uns selbst, das Leben, Sterben und den Tod nachdenken. Doch vertrauen wir auf das Leben, das Gott für uns bereit hält. Dann hat der "November-Blues" bald ausgespielt.

Erschienen am 05.11.2011

 

Quer Denker 

Wolfgang Frost, Gemeindereferent