Fest des Hl. Johannes, Apostel und Evangelist (27.12.2011)

Von: Evangelium Tag für Tag - evangelizo.org
27 December 2011 11:23
Kategorie: Evangelium Tag für Tag

Heilige/r des Tages: Hl. Johannes

1. Lesung: Erster Brief des Johannes 1,1-4.
Psalm 97(96),1-2.5-6.11-12.
Evangelium nach Johannes 20,2-8.
Kommentar «Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen..., voll Gnade und Wahrheit» (Joh 1,14)

 

Erster Brief des Johannes 1,1-4.

Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefaßt haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens.
Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde.
Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.
Wir schreiben dies, damit unsere Freude vollkommen ist.

Psalm 97(96),1-2.5-6.11-12.

Der Herr ist König. Die Erde frohlocke. Freuen sollen sich die vielen Inseln.
Rings um ihn her sind Wolken und Dunkel, Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Throns.
Berge schmelzen wie Wachs vor dem Herrn, vor dem Antlitz des Herrschers aller Welt.
Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel, seine Herrlichkeit schauen alle Völker.
Ein Licht erstrahlt den Gerechten und Freude den Menschen mit redlichem Herzen.
Ihr Gerechten, freut euch am Herrn, und lobt seinen heiligen Namen!

Evangelium nach Johannes 20,2-8.

Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.
Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab;
sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab.
Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein.
Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen
und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.
Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.

«Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen..., voll Gnade und Wahrheit» (Joh 1,14)

 

Ich glaube, dass die vier Evangelien die wesentlichen Bausteine des Glaubens der Kirche sind... und dass die Anfänge der Evangelien sich im Evangelium des Johannes befinden, der, wenn er von dem sprechen will, dessen Genealogie andere aufgestellt haben, über den zu schreiben beginnt, der keine hat. So sagt Matthäus, der für die Juden schreibt, die den Sohn Abrahams und Davids erwarten: „Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams“ (1,1); und Markus, der sehr wohl wusste, was er schreibt, gebraucht den Ausdruck: „Anfang des Evangeliums“ (1,1). Das Ende des Evangeliums finden wir bei Johannes: es heißt dort „Im Anfang war das Wort, und das Wort war Gott“ (1,1). Aber auch Lukas schrieb dem, der an der Seite Jesu lag (13,25), die größten und vollendetsten Reden über Jesus zu. Keiner von ihnen hat die Gottheit Jesu auf so vollkommene Weise aufgezeigt wie Johannes, bei dem Jesus über sich selbst sagt: „Ich bin das Licht der Welt“, „ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“, „Ich bin die Auferstehung“, „ich bin die Tür“, „ich bin der Gute Hirt“ (8,12; 14,6; 11,25; 10,9.11), und in der Geheimen Offenbarung: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“ (22,13). Man darf also sagen, dass die Evangelien die Voraussetzung für alle heiligen Schriften sind, und dass die Voraussetzung für die Evangelien das Evangelium des Johannes ist, dessen Sinn niemand begreifen kann, der nicht an der Brust Jesu ruhte und nicht von Jesus Maria zur Mutter bekam (Joh 19,27)... Als Jesus zu seiner Mutter sagte: „Frau, siehe dein Sohn“, und nicht  „Siehe, dieser Mann ist auch dein Sohn“, so ist das als ob er gesagt hätte: „Siehe, dein Sohn, den du zur Welt gebracht hast“. Tatsächlich lebt, wer die Vollkommenheit erlangt hat, nicht mehr, sondern Christus lebt ihn ihm (Gal 2,20)... Ist es da noch nötig zu sagen, welcher Einsicht es bedarf, um das in zerbrechlichen Gefäßen (2 Kor 4,7) einer Alltagssprache abgefasste Wort gebührend auszulegen? Ein Wort in diesem Brief, der von jedermann gelesen werden kann, ein Wort, das durch eine Stimme hörbar wird und das alle verstehen, die es hören wollen? Denn alle, die das Evangelium des Johannes zutreffend auslegen wollen, müssen in aller Aufrichtigkeit sagen können: „Wir haben den Geist Christi, damit wir das erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist“ (1 Kor 2,16.12).      

Origines (um 185-253), Priester und Theologe