Fest der Heiligen Familie (30.12.2011)

Von: Evangelium Tag für Tag - evangelizo.org
30 December 2011 09:23
Kategorie: Evangelium Tag für Tag

Heilige/r des Tages: Hl. Felix I.

1. Lesung: Buch Jesus Sirach 3,2-6.12-14.
Psalm 128(127),1-2.3.4-5.
Evangelium nach Lukas 2,22-40.
Kommentar «Sie kehrten nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück»

Buch Jesus Sirach 3,2-6.12-14.

Denn der Herr hat den Kindern befohlen, ihren Vater zu ehren, und die Söhne verpflichtet, das Recht ihrer Mutter zu achten.
Wer den Vater ehrt, erlangt Verzeihung der Sünden,
und wer seine Mutter achtet, gleicht einem Menschen, der Schätze sammelt.
Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den eigenen Kindern, und wenn er betet, wird er Erhörung finden.
Wer den Vater achtet, wird lange leben, und wer seiner Mutter Ehre erweist, der erweist sie dem Herrn.
Mein Sohn, wenn dein Vater alt ist, nimm dich seiner an, und betrübe ihn nicht, solange er lebt.
Wenn sein Verstand abnimmt, sieh es ihm nach, und beschäme ihn nicht in deiner Vollkraft!
Denn die Liebe zum Vater wird nicht vergessen, sie wird als Sühne für deine Sünden eingetragen.

Psalm 128(127),1-2.3.4-5.

[Ein Wallfahrtslied.] Wohl dem Mann, der den Herrn fürchtet und ehrt und der auf seinen Wegen geht!
Was deine Hände erwarben, kannst du genießen; wohl dir, es wird dir gut ergehn.
Wie ein fruchtbarer Weinstock ist deine Frau drinnen in deinem Haus. Wie junge Ölbäume sind deine Kinder rings um deinen Tisch.
So wird der Mann gesegnet, der den Herrn fürchtet und ehrt.
Es segne dich der Herr vom Zion her. Du sollst dein Leben lang das Glück Jerusalems schauen

Evangelium nach Lukas 2,22-40.

Dann kam für sie der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen,
gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein.
Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm.
Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe.
Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war,
nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:
Nun läßt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
das du vor allen Völkern bereitet hast,
ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden.
Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, daß in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird.
Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.
Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt;
nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.
In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.
Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.

«Sie kehrten nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück»

Nazaret ist die Schule, in der man das Leben Jesu zu begreifen beginnt, die Schule des Evangeliums. Hier lernt man, die tiefe und geheimnisvolle Bedeutung der schlichten, demütigen und doch so schönen Offenbarung des Sohnes Gottes zu sehen und zu hören, sie zu betrachten und tiefer zu verstehen. Vielleicht lernt man sogar – unmerklich –, ihn nachzuahmen. Wie gerne wären wir doch wieder Kinder, wie gerne gingen wir in die demütige und erhabene Schule von Nazaret! Wie gerne begännen wir wieder damit, in der Nähe Mariens das wahre Wissen über das Leben und die überlegene Weisheit göttlicher Wahrheiten zu erwerben!... Da ist zunächst die Unterweisung in Stille. Könnten wir doch zur Wertschätzung der Stille zurückkehren, zu dieser wunderbaren und unerlässlichen geistigen Verfassung, wo doch in unserem modernen lärmenden und hektischen Leben so viel Lärm, Getöse und Geschrei auf uns einstürmt! O Stille von Nazaret, lehre uns Sammlung und Innerlichkeit, Bereitschaft auf gute Anregungen echter Lehrer und ihre Worte zu hören; lass uns die Notwendigkeit und den Wert der Vorbereitung, des Studiums, der Meditation erkennen, auch des ganz persönlichen und innerlichen Lebens, des Gebets, das in der Stille allein Gott vernimmt! Sodann die Unterweisung im Familienleben. Nazaret möge uns lehren, was Familie ist: eine Liebesgemeinschaft mit ihrer strengen und schlichten Schönheit, von heiligem und unverletzlichem Charakter. Lernen wir von Nazaret, wie wohltuend und unersetzlich die Bildung ist, die man dort erfährt, welch hervorragende Bedeutung sie hat auf der sozialen Ebene. Dann noch die Unterweisung in Arbeit. Nazaret, das Haus des „Sohnes des Zimmermanns“ (Mt 13,55). Hier würden wir gerne das strenge und erlösende Gesetz menschlicher Arbeit verstehen und hervorheben; das Wissen um den Adel der Arbeit auffrischen; daran erinnern, dass Arbeit nicht Selbstzweck sein kann, sondern dass ihre Freiheit und ihr Adel – zusätzlich zu ihrem wirtschaftlichen Wert – von den Werten bestimmt sind, um derentwillen sie getan worden ist. Wie gerne würden wir hier die Arbeiter der ganzen Welt begrüßen und ihnen ihr großes Vorbild vorstellen, ihren göttlichen Bruder, den Verkünder all ihrer berechtigten Anliegen – Christus unseren Herrn.    

Paul VI., Papst und Bischof von Rom von 1963 - 1978