Fest des Hl. Stephanus, erster Märtyrer (26.12.2011)

Von: Evangelium Tag für Tag - evangelizo.org
26 December 2011 08:07
Kategorie: Evangelium Tag für Tag

Heilige/r des Tages: Hl. Stephanus

1. Lesung: Apostelgeschichte 6,8-10.7,54-59.
Psalm 31(30),3cd-4.6.8ab.16bc.17.
Evangelium nach Matthäus 10,17-22.
Kommentar «Vater, vergib ihnen»

Apostelgeschichte 6,8-10.7,54-59.

Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk.
Doch einige von der sogenannten Synagoge der Libertiner und Zyrenäer und Alexandriner und Leute aus Zilizien und der Provinz Asien erhoben sich, um mit Stephanus zu streiten;
aber sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach, nicht widerstehen.
Als sie das hörten, waren sie aufs äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen.
Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen
und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.
Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los,
trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß.
So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!

Psalm 31(30),3cd-4.6.8ab.16bc.17.

Wende dein Ohr mir zu, erlöse mich bald! Sei mir ein schützender Fels, eine feste Burg, die mich rettet.
Denn du bist mein Fels und meine Burg; um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten.
In deine Hände lege ich voll Vertrauen meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.
Ich will jubeln und über deine Huld mich freuen; denn du hast mein Elend angesehn, du bist mit meiner Not vertraut.
In deiner Hand liegt mein Geschick; entreiß mich der Hand meiner Feinde und Verfolger!
Laß dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, hilf mir in deiner Güte!

Evangelium nach Matthäus 10,17-22.

Nehmt euch aber vor den Menschen in acht! Denn sie werden euch vor die Gerichte bringen und in ihren Synagogen auspeitschen.
Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt, damit ihr vor ihnen und den Heiden Zeugnis ablegt.
Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt.
Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.
Brüder werden einander dem Tod ausliefern und Väter ihre Kinder, und die Kinder werden sich gegen ihre Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken.
Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehaßt werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.

«Vater, vergib ihnen»

Machen wir es wie unser Herr und beten wir für unsere Feinde... Er hing am Kreuz und betete dabei zu seinem Vater für die, die ihn kreuzigten. Aber wie könnte ich es denn je meinem Herrn gleichtun, kannst du dich fragen. Wenn du es willst, kannst du es auch. Wenn du nicht in der Lage wärest, es zu tun, wie hätte er dann sagen können: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig“? (Mt 11,29). Wenn es dir schwer fällt, es dem Herrn gleichzutun, dann tu es wenigstens dem gleich, der sein Diener und zugleich sein Diakon war. Ich spreche von Stephanus. Er hat es tatsächlich dem Herrn gleichgetan. So wie Christus inmitten seiner Kreuziger für sie den Vater anflehte – ohne viele Aufhebens zu machen von seinem Kreuz und seiner Situation – so sagte sein Diener, umringt von denen, die ihn steinigten und über ihn herfielen, von Steinwürfen getroffen, der zugefügten Schmerzen nicht achtend: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an“ (Apg 7,60). Fällt dir auf, was der Sohn sagte und wie der Diener betete? Der Sohn sagte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, und der Diener: „Herr, rechne ihnen diese Schuld nicht an“. Übrigens stand er, damit man besser erkenne, mit welcher Inbrunst er betete, nicht einfach da und betete im Steinhagel, sondern betete auf Knien mit Überzeugung und Mitleid... Christus sagt: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Stephanus ruft aus: „Herr, rechne ihnen die Schuld nicht an“. Paulus erklärt: „Ich biete dieses Opfer an für meine Brüder, die der Abstammung nach mit mir verwandt sind“ (vgl. Röm 9,3). Mose sagt: „Doch jetzt nimm ihr Sünde von ihnen, wenn nicht, dann streich mich aus dem Buch, das du angelegt hast“ (Ex 32,32). David sagt: „Erhebe deine Hand gegen mich und gegen das Haus meines Vaters“ (2 Sam 24,17)...Was für eine Vergebung glauben wir erhalten zu können, wenn wir das Gegenteil von dem tun, was uns aufgetragen ist, und gegen unsere Feinde beten, wenn doch der Herr selber und seine Jünger im Alten und Neuen Testament uns dazu auffordern, für unsere Feinde zu beten?

Hl. Johannes Chrysostomos (ca. 345-407), Priester in Antiochia und später Bischof von Konstantinopel, Kirchenlehrer