Montag der 4. Osterwoche (30.04.2012)

Von: Evangelium Tag für Tag - evangelizo.org
30 April 2012 07:05
Kategorie: Evangelium Tag für Tag

Heilige/r des Tages: Hl. Pius V.

1. Lesung: Apostelgeschichte 11,1-18.
Psalm 42(41),2-3.43,3.4.
Evangelium nach Johannes 10,1-10.
Kommentar «Er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen»

Apostelgeschichte 11,1-18.

Die Apostel und die Brüder in Judäa erfuhren, daß auch die Heiden das Wort Gottes angenommen hatten.
Als nun Petrus nach Jerusalem hinaufkam, hielten ihm die gläubig gewordenen Juden vor:
Du hast das Haus von Unbeschnittenen betreten und hast mit ihnen gegessen.
Da begann Petrus, ihnen der Reihe nach zu berichten:
Ich war in der Stadt Joppe und betete; da hatte ich in einer Verzückung eine Vision: Eine Schale, die aussah wie ein großes Leinentuch, das an den vier Ecken gehalten wurde, senkte sich aus dem Himmel bis zu mir herab.
Als ich genauer hinschaute, sah ich darin die Vierfüßler der Erde, die wilden Tiere, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels.
Ich hörte auch eine Stimme, die zu mir sagte: Steh auf, Petrus, schlachte, und iß!
Ich antwortete: Niemals, Herr! Noch nie ist etwas Unheiliges oder Unreines in meinen Mund gekommen.
Doch zum zweitenmal kam eine Stimme vom Himmel; sie sagte: Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein!
Das geschah dreimal, dann wurde alles wieder in den Himmel hinaufgezogen.
Da standen auf einmal drei Männer vor dem Haus, in dem ich wohnte; sie waren aus Cäsarea zu mir geschickt worden.
Der Geist aber sagte mir, ich solle ohne Bedenken mit ihnen gehen. Auch diese sechs Brüder zogen mit mir, und wir kamen in das Haus jenes Mannes.
Er erzählte uns, wie er in seinem Haus den Engel stehen sah, der zu ihm sagte: Schick jemand nach Joppe, und laß Simon, der Petrus genannt wird, holen.
Er wird dir Worte sagen, durch die du mit deinem ganzen Haus gerettet werden wirst.
Während ich redete, kam der Heilige Geist auf sie herab, wie am Anfang auf uns.
Da erinnerte ich mich an das Wort des Herrn: Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden.
Wenn nun Gott ihnen, nachdem sie zum Glauben an Jesus Christus, den Herrn, gekommen sind, die gleiche Gabe verliehen hat wie uns: wer bin ich, daß ich Gott hindern könnte?
Als sie das hörten, beruhigten sie sich, priesen Gott und sagten: Gott hat also auch den Heiden die Umkehr zum Leben geschenkt.

Psalm 42(41),2-3.43,3.4.

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.
Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und Gottes Antlitz schauen?
Sende dein Licht und deine Wahrheit, damit sie mich leiten; sie sollen mich führen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung.
So will ich zum Altar Gottes treten, zum Gott meiner Freude. Jauchzend will ich dich auf der Harfe loben, Gott, mein Gott.

Evangelium nach Johannes 10,1-10.

Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.
Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.
Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.
Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen.
Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.
Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.
Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

«Er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen»

„Ich bin die Tür zu den Schafen“: Unser Herr sagt, dass er die Türe zum Schafstall ist. Was ist nun dieser Schafstall, diese Umfriedung, dessen Tür Christus ist? Es ist das Herz des Vaters, und Christus ist wahrhaftig die liebenswerte Tür zum und vom Vater. Christus hat für uns die Versiegelung aufgebrochen und den Zugang zum Herzen ermöglicht, das bis dahin allen Menschen verschlossen war. In diesem Schafstall sind alle Heiligen vereint. Der Hirte ist das ewige Wort, das Tor ist das Menschsein Christi; unter den Schafen dieses Stalles verstehen wir die Seelen der Menschen, aber auch die Engel gehören dort hinein...; der Torsteher ist der Heilige Geist...; denn alle Wahrheit kommt von ihm, die erfasste und die verfasste... Mit wie viel Liebe und Güte öffnet er uns das Herz des Vaters und gibt uns ständig freien Zutritt zum verborgenen Schatz, zu den verborgenen Wohnungen und zum Reichtum dieses Hauses! Niemand hat eine Vorstellung davon, wie zugänglich Gott ist, wie bereit uns aufzunehmen, wie er sich geradezu danach sehnt es zu tun, und wie er uns in jedem Augenblick und zu jeder Stunde entgegenkommt... Liebe Kinder, wie unverbesserlich taub wir doch dieser liebevollen Einladung gegenüber bleiben...! Wir weigern uns so oft, ihr zu folgen. Wie viele Einladungen und Anrufe des Heiligen Geistes lehnen wir ab! Wir verweigern uns aus allen möglichen irdisch-weltlichen Gründen! Wir suchen so oft nach Anderem, und nicht den Ort, an dem Gott uns haben möchte.

Johannes Tauler (um 1300-1361) Dominikaner in Straßburg