5. Fastensonntag (25.03.2012)

Von: Evangelium Tag für Tag - evangelizo.org
25 March 2012 06:57
Kategorie: Evangelium Tag für Tag

Heilige/r des Tages:

1. Lesung: Buch Jeremia 31,31-34.
Psalm 51(50),3-4.12-13.14-15.
2. Lesung: Brief an die Hebräer 5,7-9.
Evangelium nach Johannes 12,20-33.
Kommentar «Wir wollen Jesus sehen»

Buch Jeremia 31,31-34.

Seht, es werden Tage kommen - Spruch des Herrn -, in denen ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde,
nicht wie der Bund war, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten herauszuführen. Diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihr Gebieter war - Spruch des Herrn.
Denn das wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe - Spruch des Herrn: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.
Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, sondern sie alle, klein und groß, werden mich erkennen - Spruch des Herrn. Denn ich verzeihe ihnen die Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr.

Psalm 51(50),3-4.12-13.14-15.

Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
Wasch meine Schuld von mir ab, und mach mich rein von meiner Sünde!
Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist!
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!
Mach mich wieder froh mit deinem Heil; mit einem willigen Geist rüste mich aus!
Dann lehre ich Abtrünnige deine Wege, und die Sünder kehren um zu dir.

2. Lesung: Brief an die Hebräer 5,7-9.

Evangelium nach Johannes 12,20-33.

Auch einige Griechen waren anwesend - sie gehörten zu den Pilgern, die beim Fest Gott anbeten wollten.
Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: Herr, wir möchten Jesus sehen.
Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus.
Jesus aber antwortete ihnen: Die Stunde ist gekommen, daß der Menschensohn verherrlicht wird.
Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.
Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.
Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.
Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen.
Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.
Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: Es hat gedonnert. Andere sagten: Ein Engel hat zu ihm geredet.
Jesus antwortete und sagte: Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch.
Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden.
Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.
Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.

«Wir wollen Jesus sehen»

In Jerusalem schrie die Menge: „Hosanna in der Höhe! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, des Königs von Israel“ (vgl. Mk 11,10). Es ist richtig zu sagen: „Er, der kommt“, denn er kommt ständig und ist immer da. „Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe. Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn“ (Ps 145,18; 118,26). Der sanfte, friedfertige König steht vor unserer Tür... Die Soldaten auf Erden, die Engel im Himmel, die Sterblichen und die Unsterblichen... riefen: „Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, des Königs von Israel“. Die Pharisäer aber hielten sich zurück (Joh 12,19), und die Priester fühlten sich verhöhnt. Unaufhörlich erklangen die Stimmen derer, die das Lob Gottes sangen; die Schöpfung war darob voller Freude... Deshalb wurden damals einige Griechen durch diesen wunderbaren Lobpreis dazu angeregt, Gott inbrünstig zu verehren; sie gingen auf einen Apostel namens Philippus zu und sagten zu ihm: „Wir wollen Jesus sehen“. Und siehe: sie alle übernahmen die Aufgabe des Herolds und brachten die Griechen dazu, sich zu bekehren. Sofort wandten diese sich an die Jünger Christi: „Wir wollen Jesus sehen“. Diese Heiden machen es wie Zachäus, aber sie steigen nicht auf einen Maulbeerfeigenbaum (um Jesus zu sehen), sondern wollen sich zur Erkenntnis Gottes emporschwingen (Lk 19,3). „Wir wollen Gott sehen“: nicht so sehr sein Antlitz betrachten, als vielmehr sein Kreuz tragen. Denn Jesus, der wusste, was sie wollten, kündigte denen, die dort waren, ohne Umschweife an: „Die Stunde kommt, in der der Menschensohn verherrlicht wird“, und bezeichnete so die Bekehrung der Heiden als Verherrlichung. Und er gab dem Kreuz den Namen „Ruhm“; denn von da an bis auf den heutigen Tag wird das Kreuz gerühmt. Durch das Kreuz werden ja auch heute noch Könige geweiht. Das Kreuz schmückt die Priester, behütet die Jungfrauen, stärkt die Asketen, bindet Eheleute enger aneinander, gibt den Witwen Kraft. Das Kreuz macht die Kirche fruchtbar, erleuchtet die Völker, bewacht unbewohntes Land, öffnet das Paradies.

Proklos von Konstantinopel (um 390 - 446), Bischof