Donnerstag der 4. Fastenwoche (22.03.2012)

Von: Evangelium Tag für Tag - evangelizo.org
22 March 2012 07:35
Kategorie: Evangelium Tag für Tag

Heilige/r des Tages: Sel. Clemens August Graf von Galen,  Hl. Elko,  Hl. Lea

1. Lesung: Buch Exodus 32,7-14.
Psalm 106(105),19-20.21-22.23.
Evangelium nach Johannes 5,31-47.
Kommentar «Wenn ihr Mose glauben würdet, müsstet ihr auch mir glauben, denn über mich hat er geschrieben»

Buch Exodus 32,7-14.

Da sprach der Herr zu Mose: Geh, steig hinunter, denn dein Volk, das du aus Ägypten heraufgeführt hast, läuft ins Verderben.
Schnell sind sie von dem Weg abgewichen, den ich ihnen vorgeschrieben habe. Sie haben sich ein Kalb aus Metall gegossen und werfen sich vor ihm zu Boden. Sie bringen ihm Schlachtopfer dar und sagen: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben.
Weiter sprach der Herr zu Mose: Ich habe dieses Volk durchschaut: Ein störrisches Volk ist es.
Jetzt laß mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt. Dich aber will ich zu einem großen Volk machen.
Da versuchte Mose, den Herrn, seinen Gott, zu besänftigen, und sagte: Warum, Herr, ist dein Zorn gegen dein Volk entbrannt? Du hast es doch mit großer Macht und starker Hand aus Ägypten herausgeführt.
Sollen etwa die Ägypter sagen können: In böser Absicht hat er sie herausgeführt, um sie im Gebirge umzubringen und sie vom Erdboden verschwinden zu lassen? Laß ab von deinem glühenden Zorn, und laß dich das Böse reuen, das du deinem Volk antun wolltest.
Denk an deine Knechte, an Abraham, Isaak und Israel, denen du mit einem Eid bei deinem eigenen Namen zugesichert und gesagt hast: Ich will eure Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel, und: Dieses ganze Land, von dem ich gesprochen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es für immer besitzen.
Da ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht hatte.

Psalm 106(105),19-20.21-22.23.

Sie machten am Horeb ein Kalb und warfen sich vor dem Gußbild nieder.
Die Herrlichkeit Gottes tauschten sie ein gegen das Bild eines Stieres, der Gras frißt.
Sie vergaßen Gott, ihren Retter, der einst in Ägypten Großes vollbrachte,
Wunder im Lande Hams, furchterregende Taten am Schilfmeer.Da faßte er einen Plan, und er hätte sie vernichtet, wäre nicht Mose, sein Erwählter, für sie in die Bresche gesprungen, so daß Gott sie im Zorn nicht vertilgte.

Evangelium nach Johannes 5,31-47.

Wenn ich über mich selbst als Zeuge aussage, ist mein Zeugnis nicht gültig;
ein anderer ist es, der über mich als Zeuge aussagt, und ich weiß: Das Zeugnis, das er über mich ablegt, ist gültig.
Ihr habt zu Johannes geschickt, und er hat für die Wahrheit Zeugnis abgelegt.
Ich aber nehme von keinem Menschen ein Zeugnis an, sondern ich sage dies nur, damit ihr gerettet werdet.
Jener war die Lampe, die brennt und leuchtet, und ihr wolltet euch eine Zeitlang an seinem Licht erfreuen.
Ich aber habe ein gewichtigeres Zeugnis als das des Johannes: Die Werke, die mein Vater mir übertragen hat, damit ich sie zu Ende führe, diese Werke, die ich vollbringe, legen Zeugnis dafür ab, daß mich der Vater gesandt hat.
Auch der Vater selbst, der mich gesandt hat, hat über mich Zeugnis abgelegt. Ihr habt weder seine Stimme gehört noch seine Gestalt je gesehen,
und auch sein Wort bleibt nicht in euch, weil ihr dem nicht glaubt, den er gesandt hat.
Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; gerade sie legen Zeugnis über mich ab.
Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um das Leben zu haben.
Meine Ehre empfange ich nicht von Menschen.
Ich habe erkannt, daß ihr die Liebe zu Gott nicht in euch habt.
Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und doch lehnt ihr mich ab. Wenn aber ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, dann werdet ihr ihn anerkennen.
Wie könnt ihr zum Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander empfangt, nicht aber die Ehre sucht, die von dem einen Gott kommt?
Denkt nicht, daß ich euch beim Vater anklagen werde; Mose klagt euch an, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt.
Wenn ihr Mose glauben würdet, müßtet ihr auch mir glauben; denn über mich hat er geschrieben.
Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie könnt ihr dann meinen Worten glauben?

«Wenn ihr Mose glauben würdet, müsstet ihr auch mir glauben, denn über mich hat er geschrieben»

Mose hat gesagt: „Der Herr, dein Gott, wird dir aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern einen Propheten wie mich erstehen lassen“ (Dt 18,15). Mose erläutert selber, was er angekündigt hat: „Darum genau hast du den Herrn, deinen Gott am Horeb, am Tag der Versammlung des Herrn, gebeten, als du gesagt hast: Ich kann die Stimme des Herrn, unseres Gottes, nicht noch einmal hören und dieses große Feuer nicht noch einmal sehen, ohne dass ich sterbe“ (vgl. 16). Mose tut mit Bestimmtheit kund, dass ihm da eine Mittlerrolle zuteil wurde, weil die versammelten Juden noch nicht in der Lage waren, den Realitäten ins Auge zu blicken, die ihnen zugemutet wurden: für die Augen eine außerordentliche und erschreckende Schau Gottes, für die Ohren ein befremdlicher, unerträglicher Hörnerschall (Ex 19,16). Das Volk war weise genug, sich das nicht zu eigen zu machen, was seine Kräfte überstieg; und Mose sollte als Vermittler der Schwachheit seines Volkes abhelfen: er wurde beauftragt, dem versammelten Volk die göttliche Gebote zu übermitteln. Wenn du aber daran gehst, die in diesem Zeichen angedeutete Wahrheit zu erkennen, wirst du sehen, dass sie auf Christus hinzielt, den „Mittler zwischen Gott und den Menschen“ (1 Tim 2,5). Er überbringt mit seiner menschlichen Stimme, die er von seiner leiblichen Mutter hat, den lernwilligen Herzen den unauslöschlichen Willen Gottes des Vaters, den nur er als Sohn und Weisheit Gottes kennt, „da er alles, auch die Tiefen Gottes, ergründet“ (1 Kor 2,10). Wir können mit unseren leiblichen Augen die unaussprechliche, reine, bloße Hoheit dessen, der über allem ist, nicht sehen – „Kein Mensch kann das Angesicht Gottes sehen“, sagt Gott, „und am Leben bleiben“ (Ex 33,20). So musste sich der Logos, der einzige Sohn Gottes, unserer Schwäche angleichen, indem er menschlichen Leib annahm... nach seinem uns erlösenden Ratschluss, um uns den Willen Gottes des Vaters kundzutun. Er sagte ja selber: „Ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“ (Joh 15,15), und weiter: „Ich sage es nicht aus mir selbst, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir aufgetragen, was ich sagen und reden soll“ (Joh 12,49).  

Hl. Cyrill von Alexandrien (380 – 444), Bischof und Kirchenlehrer