4. Fastensonntag - Laetare (18.03.2012)

Von: Evangelium Tag für Tag - evangelizo.org
18 March 2012 06:40
Kategorie: Evangelium Tag für Tag

Heilige/r des Tages: Hl. Cyrill von Jerusalem,  Hl. Eduard

1. Lesung: Zweite Buch der Chronik 36,14-16.19-23.
Psalm 137(136),1-2.3.4-5.6.
2. Lesung: Brief des Apostel Paulus an die Epheser 2,4-10.
Evangelium nach Johannes 3,14-21.
Kommentar «So muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat»

Zweite Buch der Chronik 36,14-16.19-23.

Auch alle führenden Männer Judas und die Priester und das Volk begingen viel Untreue. Sie ahmten die Gräueltaten der Völker nach und entweihten das Haus, das der Herr in Jerusalem zu seinem Heiligtum gemacht hatte.
Immer wieder hatte der Herr, der Gott ihrer Väter, sie durch seine Boten gewarnt; denn er hatte Mitleid mit seinem Volk und seiner Wohnung.
Sie aber verhöhnten die Boten Gottes, verachteten sein Wort und verspotteten seine Propheten, bis der Zorn des Herrn gegen sein Volk so groß wurde, dass es keine Heilung mehr gab.
Die Chaldäer verbrannten das Haus Gottes, rissen die Mauern Jerusalems nieder, legten Feuer an alle seine Paläste und zerstörten alle wertvollen Geräte.
Alle, die dem Schwert entgangen waren, führte Nebukadnezzar in die Verbannung nach Babel. Dort mussten sie ihm und seinen Söhnen als Sklaven dienen, bis das Reich der Perser zur Herrschaft kam.
Da ging das Wort in Erfüllung, das der Herr durch den Mund Jeremias verkündet hatte. Das Land bekam seine Sabbate ersetzt, es lag brach während der ganzen Zeit der Verwüstung, bis siebzig Jahre voll waren.
Im ersten Jahr des Königs Kyrus von Persien sollte sich erfüllen, was der Herr durch Jeremia gesprochen hatte. Darum erweckte der Herr den Geist des Königs Kyrus von Persien und Kyrus ließ in seinem ganzen Reich mündlich und schriftlich den Befehl verkünden:
So spricht Kyrus, der König von Persien: Der Herr, der Gott des Himmels, hat mir alle Reiche der Erde verliehen. Er selbst hat mir aufgetragen, ihm in Jerusalem in Juda ein Haus zu bauen. Jeder unter euch, der zu seinem Volk gehört - der Herr, sein Gott, sei mit ihm -, der soll hinaufziehen.

Psalm 137(136),1-2.3.4-5.6.

An den Strömen von Babel, da saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten.
Wir hängten unsere Harfen an die Weiden in jenem Land.
Dort verlangten von uns die Zwingherren Lieder, unsere Peiniger forderten Jubel: «Singt uns Lieder vom Zion!»
Wie könnten wir singen die Lieder des Herrn, fern, auf fremder Erde?
Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren.
Die Zunge soll mir am Gaumen kleben, wenn ich an dich nicht mehr denke, wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe.

2. Lesung: Brief des Apostel Paulus an die Epheser 2,4-10.

Evangelium nach Johannes 3,14-21.

Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muß der Menschensohn erhöht werden,
damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat.
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.
Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.
Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.
Jeder, der Böses tut, haßt das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.
Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, daß seine Taten in Gott vollbracht sind.

«So muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat»

„Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht. Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat Gott ihn über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen“ (Phil 2,5-9)... Der außerordentlich gehaltvolle Text spielt eindeutig auf den Fall Adams an. Jesus Christus betritt den Weg, auf dem Adam gegangen ist. Im Gegensatz zu Adam ist er wirklich „wie Gott“ (vgl. Gen 3,5). Aber wie Gott zu sein, Gott gleich zu sein, das bedeutet „Sohn zu sein“, also reine Beziehung: „Der Sohn kann nichts von sich aus tun“ (Joh 5,19).  Deshalb hält er, der wirklich Gott gleich ist, nicht krampfhaft an seiner Unabhängigkeit fest, an der Uneingeschränktheit seiner Macht und seines Wollens. Weil er den Weg in umgekehrter Richtung geht, wird er der völlig Abhängige, der Diener. Weil er nicht den Weg der Macht geht, sondern den Weg der Liebe, kann er bis zur Sünde des Adam hinabsteigen, bis zum Tod, und da die Wahrheit aufrichten, das Leben schenken. So wird Christus zum neuen Adam, durch den das menschliche Leben einen Neuanfang erfährt... Das Kreuz, der Ort seines Gehorsams, wird so zum wahren Lebensbaum. Christus wird zum Gegenbild der Schlange, wie Johannes in seinem Evangelium schreibt. Von diesem Baum ergeht nicht das Wort der Versuchung, sondern das Wort der rettenden Liebe, des Gehorsams, durch das Gott selbst Gehorsam angenommen hat und uns so seinen Gehorsam als Betätigungsfeld der Freiheit anbietet. In seiner Passion hat Christus sozusagen das lodernde Flammenschwert von uns abgewendet (Gen 3,24), er ist durchs Feuer gegangen und hat das Kreuz als wahre tragende Achse der Welt aufgerichtet.  Deshalb ist die Eucharistie, als Vergegenwärtigung des Kreuzes, der Baum des Lebens, der immer in unserer Mitte bleibt und uns einlädt, die Früchte des wahren Lebens zu empfangen.  

Joseph Kard. Ratzinger [Papst Benedikt XVI.]