Freitag der 3. Fastenwoche (16.03.2012)

Von: Evangelium Tag für Tag - evangelizo.org
16 March 2012 07:09
Kategorie: Evangelium Tag für Tag

Heilige/r des Tages: Hl. Guntmar (Gummar),  Hl. Heribert von Köln

1. Lesung: Buch Hosea 14,2-10.
Psalm 81(80),6c-8a.8bc-9.10-11ab.14.17.
Evangelium nach Markus 12,28b-34.
Kommentar «Du sollst den Herrn, deinen Gott, mit ganzem Herzen lieben»

Buch Hosea 14,2-10.

Kehr um, Israel, zum Herrn, deinem Gott! Denn du bist zu Fall gekommen durch deine Schuld.
Kehrt um zum Herrn, nehmt Worte (der Reue) mit euch und sagt zu ihm: Nimm alle Schuld von uns und lass uns Gutes erfahren! Wir danken es dir mit der Frucht unserer Lippen.
Assur kann uns nicht retten. Wir wollen nicht mehr auf Pferden reiten und zum Machwerk unserer Hände sagen wir nie mehr: Unser Gott. Denn nur bei dir findet der Verwaiste Erbarmen.
Ich will ihre Untreue heilen und sie aus lauter Großmut wieder lieben. Denn mein Zorn hat sich von Israel abgewandt.
Ich werde für Israel da sein wie der Tau, damit es aufblüht wie eine Lilie und Wurzeln schlägt wie der Libanon.
Seine Zweige sollen sich ausbreiten, seine Pracht soll der Pracht des Ölbaums gleichen und sein Duft dem Duft des Libanon.
Sie werden wieder in meinem Schatten wohnen; sie bauen Getreide an und gedeihen wie die Reben, deren Wein so berühmt ist wie der Wein vom Libanon.
Was hat Efraim noch mit den Götzen zu tun? Ich, ja ich, erhöre ihn, ich schaue nach ihm.Ich bin wie der grünende Wacholder, an mir findest du reiche Frucht.
Wer weise ist, begreife dies alles, wer klug ist, erkenne es. Ja, die Wege des Herrn sind gerade; die Gerechten gehen auf ihnen, die Treulosen aber kommen auf ihnen zu Fall.

Psalm 81(80),6c-8a.8bc-9.10-11ab.14.17.

Eine Stimme höre ich, die ich noch nie vernahm:
Seine Schulter hab' ich von der Bürde befreit, seine Hände kamen los vom Lastkorb.
Du riefst in der Not
und ich riß dich heraus;ich habe dich aus dem Gewölk des Donners erhört, an den Wassern von Meriba geprüft. [Sela]
Höre, mein Volk, ich will dich mahnen! Israel, wolltest du doch auf mich hören!
Für dich gibt es keinen andern Gott. Du sollst keinen fremden Gott anbeten.
Ich bin der Herr, dein Gott,der dich heraufgeführt hat aus Ägypten.
Ach daß doch mein Volk auf mich hörte, daß Israel gehen wollte auf meinen Wegen!
Ich würde es nähren mit bestem Weizen und mit Honig aus dem Felsen sättigen.

Evangelium nach Markus 12,28b-34.

Ein Schriftgelehrter hatte ihrem Streit zugehört; und da er bemerkt hatte, wie treffend Jesus ihnen antwortete, ging er zu ihm hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen?
Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr.
Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.
Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.
Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr, und es gibt keinen anderen außer ihm,
und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer.
Jesus sah, daß er mit Verständnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.

«Du sollst den Herrn, deinen Gott, mit ganzem Herzen lieben»

Die Großen der Erde rühmen sich, im Besitz von Königreichen und Reichtümern zu sein. Jesus Christus findet sein ganzes Glück darin, über unsere Herzen zu herrschen. Das ist das Reich, nach dem er verlangt und das zu erobern er sich durch seinen Kreuzestod entschieden hat: „Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter“ (Jes 9,5). Mehrere Exegeten verstehen darunter das Kreuz, das unser göttlicher Erlöser auf den Schultern getragen hat. Cornelius a Lapide bemerkt dazu: „Dieser Himmelskönig ist ganz anders als der Teufel; dieser lädt seinen Sklaven schwere Lasten auf die Schultern, Jesus aber nimmt die Last seines Reiches ganz auf sich; er umarmt das Kreuz und möchte an ihm sterben, um über unsere Herzen zu herrschen“.  Und Tertullian sagt, dass die Monarchen der Erde „das Zepter in der Hand und die Krone auf dem Haupt tragen, Jesus Christus dagegen das Kreuz auf seinen Schultern trug. Und das Kreuz war der Thron, den er bestieg, um sein Reich der Liebe zu begründen“... Weihen wir eilends diesem Gott die ganze Liebe unseres Herzens; dafür hat er sein Blut, sein Leben, sich selbst ganz geopfert. „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht“, sagte Jesus zur Samariterin, „und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken“ (Joh 4,10). Das bedeutet: Wenn du wüsstest, wie groß die Gnade ist, die du von Gott empfängst... Wenn die Seele doch verstünde, welch übergroße Gnade Gott ihr erweist, wenn er ihre Liebe einfordert mit den Worten: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben“. Wäre ein Untertan, der hört, dass sein Herr zu ihm sagt: „Hab mich lieb“ – wäre der nicht sehr angetan von dieser Einladung? Und sollte es Gott nicht gelingen, unser Herz zu erobern, wo er uns doch mit so viel Güte darum bittet: „Gib mir dein Herz, mein Sohn“? (Spr 23,26). Aber Gott will dieses Herz nicht zur Hälfte; er will es ganz, ohne Einschränkungen. Das ist sein Gebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, mit ganzem Herzen lieben“.
        

Hl. Alphons-Maria von Liguori (1696 – 1787), Bischof und Kirchenlehrer