Dienstag der 7. Woche im Jahreskreis (21.02.2012)

Von: Evangelium Tag für Tag - evangelizo.org
21 February 2012 07:10
Kategorie: Evangelium Tag für Tag

Heilige/r des Tages: Petrus Damiani

1. Lesung: Brief des Jakobus 4,1-10.
Psalm 55(54),7-8.9-10a.10b-11a.23.
Evangelium nach Markus 9,30-37.
Kommentar „Wer dieses Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf“

Brief des Jakobus 4,1-10.

Woher kommen die Kriege bei euch, woher die Streitigkeiten? Doch nur vom Kampf der Leidenschaften in eurem Innern.
Ihr begehrt und erhaltet doch nichts. Ihr mordet und seid eifersüchtig und könnt dennoch nichts erreichen. Ihr streitet und führt Krieg. Ihr erhaltet nichts, weil ihr nicht bittet.
Ihr bittet und empfangt doch nichts, weil ihr in böser Absicht bittet, um es in eurer Leidenschaft zu verschwenden.
Ihr Ehebrecher, wisst ihr nicht, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer also ein Freund der Welt sein will, der wird zum Feind Gottes.
Oder meint ihr, die Schrift sage ohne Grund: Eifersüchtig sehnt er sich nach dem Geist, den er in uns wohnen ließ.
Doch er gibt noch größere Gnade; darum heißt es auch: Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade.
Ordnet euch also Gott unter, leistet dem Teufel Widerstand; dann wird er vor euch fliehen.
Sucht die Nähe Gottes; dann wird er sich euch nähern. Reinigt die Hände, ihr Sünder, läutert euer Herz, ihr Menschen mit zwei Seelen!
Klagt und trauert und weint! Euer Lachen verwandle sich in Trauer, eure Freude in Betrübnis.
Demütigt euch vor dem Herrn; dann wird er euch erhöhen.

Psalm 55(54),7-8.9-10a.10b-11a.23.

Da dachte ich: «Hätte ich doch Flügel wie eine Taube, dann flöge ich davon und käme zur Ruhe.»
Weit fort möchte ich fliehen, die Nacht verbringen in der Wüste. [Sela]
An einen sicheren Ort möchte ich eilen vor dem Wetter, vor dem tobenden Sturm.
Entzweie sie, Herr, verwirr ihre Sprache! Denn in der Stadt sehe ich Gewalttat und Hader.
Entzweie sie, Herr, verwirr ihre Sprache! Denn in der Stadt sehe ich Gewalttat und Hader.
Auf ihren Mauern umschleicht man sie bei Tag und bei Nacht; sie ist voll Unheil und Mühsal.Wirf deine Sorge auf den Herrn, er hält dich aufrecht! Er läßt den Gerechten niemals wanken.

Evangelium nach Markus 9,30-37.

Sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa. Er wollte aber nicht, daß jemand davon erfuhr;
denn er wollte seine Jünger über etwas belehren. Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.
Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen.
Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?
Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer (von ihnen) der Größte sei.
Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.
Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen:
Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

„Wer dieses Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf“

Wir müssen uns in Erinnerung rufen, dass der zentrale theologische Hoheitstitel Jesu der des „Sohnes“ ist. In welchem Maße hat diese Bezeichnung auch sprachlich schon vorbereitet auf die Art und Weise, mit der Jesus sich selbst vorgestellt hat?... Es steht außer Zweifel, dass sie ein Versuch ist, in einem Wort die umfassende Bedeutung seines Lebens zusammenzufassen: die Ausrichtung seines Lebens, seine Wurzeln und sein Schlusspunkt hatten einen Namen – „Abba“, lieber Vater. Er wusste, dass er niemals allein war. Bis zum letzten Schrei am Kreuze ist er ganz auf den Anderen ausgerichtet, auf den hin, den er Vater nennt. So war es möglich, dass sein wahrer Hoheitstitel schlussendlich nicht „König“ oder „Herr“ und auch kein anderes Machtattribut war, sondern ein Wort, das wir auch übersetzen könnten mit „Kind“.
Wir können also sagen: Wenn die Kindschaft einen solch hervorragenden Stellenwert in der Verkündigung Jesu einnimmt, dann deshalb, weil sie zutiefst verbunden ist mit seinem ureigensten Geheimnis, seiner Sohnschaft. Seine höchste Würde, die auf seine Göttlichkeit verweist, ist letztendlich keine Macht, die er für sich selbst besitzt. Sie besteht darin, dass er ganz auf den Andere hin ausgerichtet ist – auf Gott, den Vater.
Der Mensch möchte wie Gott sein (vgl. Gen 3,5) und er soll ihm ähnlich werden. Doch jedes Mal, wenn er, wie im ewigen Dialog mit der Schlange des Paradieses, versucht, dorthin zu gelangen, indem er sich der Hilfestellung Gottes und seiner Schöpfung entledigt, um sich einzig auf sich selbst zu stützen und sich selbst einzusetzen, jedes Mal also, wenn er ganz erwachsen, ganz emanzipiert wird und gänzlich die Kindschaft als Lebensstand verwirft, läuft er ins Nichts, da er sich seiner eigenen Wirklichkeit widersetzt, die Abhängigkeit ist. Nur, indem er das bewahrt, was wesentlich ist in der Kindschaft und in der Sohnschaft, die Jesus zuerst gelebt hat, tritt er mit dem Sohn in die Göttlichkeit ein.

Joseph Kard. Ratzinger [Papst Benedikt XVI.]