5. Sonntag im Jahreskreis (05.02.2012)

Von: Evangelium Tag für Tag - evangelizo.org
05 February 2012 08:35
Kategorie: Evangelium Tag für Tag

Heilige/r des Tages: Hl. Agatha

1. Lesung: Buch Ijob 7,1-4.6-7.
Psalm 147(146),1-2.3-4.5-6.
2. Lesung: Erster Brief des Apostel Paulus an die Korinther 9,16-19.22-23.
Evangelium nach Markus 1,29-39.
Kommentar «Jesus ging an einen einsamen Ort, um zu beten»

Buch Ijob 7,1-4.6-7.

Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde? Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners?
Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt, wie ein Tagelöhner, der auf den Lohn wartet.
So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe, und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu.
Lege ich mich nieder, sage ich: Wann darf ich aufstehn? Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert.
Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, der Faden geht aus, sie schwinden dahin.
Denk daran, daß mein Leben nur ein Hauch ist. Nie mehr schaut mein Auge Glück.

Psalm 147(146),1-2.3-4.5-6.

Halleluja! Gut ist es, unser'm Gott zu singen; schön ist es, ihn zu loben.
Der Herr baut Jerusalem wieder auf, er sammelt die Versprengten Israels.
Er heilt die gebrochenen Herzen und verbindet ihre schmerzenden Wunden.
Er bestimmt die Zahl der Sterne und ruft sie alle mit Namen.
Groß ist unser Herr und gewaltig an Kraft, unermeßlich ist seine Weisheit.
Der Herr hilft den Gebeugten auf und erniedrigt die Frevler.

2. Lesung: Erster Brief des Apostel Paulus an die Korinther 9,16-19.22-23.

Evangelium nach Markus 1,29-39.

Sie verließen die Synagoge und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes gleich in das Haus des Simon und Andreas.
Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie,
und er ging zu ihr, faßte sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.
Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.
Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt,
und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wußten, wer er war.
In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.
Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,
und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.
Er antwortete: Laßt uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.
Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.

«Jesus ging an einen einsamen Ort, um zu beten»

Als der Sohn Gottes „die Augen zum Himmel erhob und sprach: Vater, verherrliche deinen Sohn“ (Joh 17,1), ließ er uns dadurch wissen, dass wir alle unsere Sinne, unsere Hände, unsere Fähigkeiten, unsere Seele hoch erheben und in ihm, mit ihm und durch ihn beten müssen. Das ist das liebenswerteste und heiligste Werk, das Gottes Sohn auf Erden vollbracht hat: die Anbetung seines geliebten Vaters. Das übersteigt jedoch bei weitem alles Vorstellungsvermögen, und wir können es auf keine Weise auch nur annähernd verstehen – es sei denn im Heiligen Geist. Der hl. Augustinus und der hl. Anselm sagen vom Gebet, dass es „eine Erhebung der Seele zu Gott hin“ ist... Ich sage dir nur so viel: Löse dich wirklich von dir ab und von allem Geschaffenen, und erhebe deine Seele ganz über alle Kreaturen, in tiefster Tiefe. Und lass dort deinen Geist in eine echte Selbstaufgabe fallen..., in eine echte Einheit mit Gott... Bitte dort Gott um alles, worum er gebeten werden will; um alles, was du ersehnst und was sich die Menschen von dir wünschen. Und sei gewiss: was eine armselige kleine Münze ist im Vergleich zu zehntausend Goldtalern, das ist jedes gesprochene Gebet im Vergleich zu dem Gebet, das eine echte Einheit mit Gott ist, zu diesem Versinken und Verschmelzen des geschaffenen Geistes im ungeschaffenen Geist Gottes. Wenn man dich um ein Gebet bittet, so bete mit Worten, worum man dich gebeten hat und wie du es versprochen hast: Aber indem du es tust, ziehe deine Seele himmelwärts und in deine innere Wüste, treibe deine ganze Herde dorthin, wie Mose es getan hat (Ex 3,1)... „Die wahren Beter werden den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Joh 4,23). In diesem inneren Gebet kommen alle Praktiken, Formeln und Gebetsarten zur Vollendung, die von Adam an bis jetzt dargebracht worden sind und noch bis zum letzten Tag dargebracht werden. All das kommt in dieser echten und essenziellen Sammlung zum Ausdruck.  

Johannes Tauler (um 1300-1361) Dominikaner in Straßburg