Samstag der 3. Woche im Jahreskreis (28.01.2012)

Von: Evangelium Tag für Tag - evangelizo.org
28 January 2012 09:59
Kategorie: Evangelium Tag für Tag

Heilige/r des Tages: Hl. Thomas von Aquin

1. Lesung: Zweite Buch des Samuel 12,1-7a.10-17.
Psalm 51(50),12-13.14-15.16-17.
Evangelium nach Markus 4,35-41.
Kommentar „Jesus aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief.“

Zweite Buch des Samuel 12,1-7a.10-17.

Darum schickte der Herr den Natan zu David; dieser ging zu David und sagte zu ihm: In einer Stadt lebten einst zwei Männer; der eine war reich, der andere arm.
Der Reiche besaß sehr viele Schafe und Rinder,
der Arme aber besaß nichts außer einem einzigen kleinen Lamm, das er gekauft hatte. Er zog es auf, und es wurde bei ihm zusammen mit seinen Kindern groß. Es aß von seinem Stück Brot, und es trank aus seinem Becher, in seinem Schoß lag es und war für ihn wie eine Tochter.
Da kam ein Besucher zu dem reichen Mann, und er brachte es nicht über sich, eines von seinen Schafen oder Rindern zu nehmen, um es für den zuzubereiten, der zu ihm gekommen war. Darum nahm er dem Armen das Lamm weg und bereitete es für den Mann zu, der zu ihm gekommen war.
Da geriet David in heftigen Zorn über den Mann und sagte zu Natan: So wahr der Herr lebt: Der Mann, der das getan hat, verdient den Tod.
Das Lamm soll er vierfach ersetzen, weil er das getan und kein Mitleid gehabt hat.
Da sagte Natan zu David: Du selbst bist der Mann. So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe dich zum König von Israel gesalbt, und ich habe dich aus der Hand Sauls gerettet.
Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetiters genommen, damit sie deine Frau werde.
So spricht der Herr: Ich werde dafür sorgen, daß sich aus deinem eigenen Haus das Unheil gegen dich erhebt, und ich werde dir vor deinen Augen deine Frauen wegnehmen und sie einem andern geben; er wird am hellen Tag bei deinen Frauen liegen.
Ja, du hast es heimlich getan, ich aber werde es vor ganz Israel und am hellen Tag tun.
Darauf sagte David zu Natan: Ich habe gegen den Herrn gesündigt. Natan antwortete David: Der Herr hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht sterben.
Weil du aber die Feinde des Herrn durch diese Sache zum Lästern veranlaßt hast, muß der Sohn, der dir geboren wird, sterben.
Dann ging Natan nach Hause. Der Herr aber ließ das Kind, das die Frau des Urija dem David geboren hatte, schwer krank werden.
David suchte Gott wegen des Knaben auf und fastete streng; und wenn er heimkam, legte er sich bei Nacht auf die bloße Erde.
Die Ältesten seines Hauses kamen zu ihm, um ihn dazu zu bewegen, von der Erde aufzustehen. Er aber wollte nicht und aß auch nicht mit ihnen.

Psalm 51(50),12-13.14-15.16-17.

Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist!
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!
Mach mich wieder froh mit deinem Heil; mit einem willigen Geist rüste mich aus!
Dann lehre ich Abtrünnige deine Wege, und die Sünder kehren um zu dir.
Befrei mich von Blutschuld, Herr, du Gott meines Heiles, dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit.
Herr, öffne mir die Lippen, und mein Mund wird deinen Ruhm verkünden.

Evangelium nach Markus 4,35-41.

Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren.
Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn.
Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, so daß es sich mit Wasser zu füllen begann.
Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, daß wir zugrunde gehen?
Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein.
Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?
Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, daß ihm sogar der Wind und der See gehorchen?

„Jesus aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief.“

Meine liebe Mutter, ich hätte Ihnen berichten sollen von den Exerzitien, die meiner Profess vorangingen. Sie haben mich in keinerlei Weise getröstet; eine vollständige geistliche Trockenheit und beinahe Gottverlassenheit hatte mich heimgesucht. Jesus schlief wieder wie gewöhnlich in meinem kleinen Boot. Ja, ja, ich sehe schon, dass die Seelen ihn sehr selten ruhig bei sich schlafen lassen. Jesus ist so erschöpft durch das ständige Tun und die Bitten, dass er die Erholung, die ich ihm anbiete, unbedingt annimmt. Zweifellos wird er nicht vor den großen Exerzitien der Ewigkeit aufwachen; doch anstatt Pein erfüllt mich das mit ungeheurer Freude.
Ich bin wahrhaftig weit davon entfernt, eine Heilige zu sein, das allein ist schon Beweis genug. Anstatt mich über meine geistliche Trockenheit zu freuen, sollte ich sie vielmehr meinem Mangel an Eifer und Treue zuschreiben; ich sollte traurig darüber sein, (seit sieben Jahren) während des inneren Gebets und der Danksagung einzuschlafen. Und trotzdem bin ich nicht traurig: Ich denke vielmehr, dass die kleinen Kinder ihren Eltern genauso gefallen, wenn sie schlafen, wie wenn sie wach sind. Und die Ärzte, so will ich meinen, lassen ihre Kranken einschlafen, um sie zu operieren. Und schließlich meine ich, dass „der Herr weiß, was wir für Geschöpfe sind; er denkt daran, dass wir Staub sind.“ (Ps 102,14)
Meine Professexerzitien waren also, wie alle folgenden übrigens, Exerzitien in großer geistlicher Dürre. Und doch zeigte mir der gute Gott ganz klar, jedoch ohne, dass ich es gemerkt habe, wie ich ihm gefallen und mich in erhabenen Tugenden üben konnte. Ich durfte oft feststellen, dass Jesus mir keine Vorräte geben will. Er gibt mir jeden Augenblick neu eine ganz neue Nahrung zu essen. Ich finde sie in mir, ohne dass ich weiß, wie sie dahin kommt. Ich glaube ganz einfach, dass Jesus selbst, verborgen in meinem Herzen, mir die Gnade schenkt, in mir zu wirken, und mich daran denken lässt, was ich im gegenwärtigen Augenblick zu tun habe.        

Hl. Therese vom Kinde Jesus (1873-1897), Karmelitin, Kirchenlehrerin