Donnerstag der 2. Woche im Jahreskreis (19.01.2012)

Von: Evangelium Tag für Tag - evangelizo.org
19 January 2012 07:24
Kategorie: Evangelium Tag für Tag

Heilige/r des Tages: Hl. Agritius,  Hl. Heinrich (Henrik) von Uppsala,  Makarius der Ägypter (der Ältere)

1. Lesung: Erste Buch des Samuel 18,6-9.19,1-7.
Psalm 56(55),2-3.9-10ab.10c-11.12-13.
Evangelium nach Markus 3,7-12.
Kommentar „Alle, die unter einer Krankheit litten, versuchten ihn zu berühren“

Erste Buch des Samuel 18,6-9.19,1-7.

Als sie nach Davids Sieg über den Philister heimkehrten, zogen die Frauen aus allen Städten Israels König Saul singend und tanzend mit Handpauken, Freudenrufen und Zimbeln entgegen.
Die Frauen spielten und riefen voll Freude: Saul hat Tausend erschlagen, David aber Zehntausend.
Saul wurde darüber sehr zornig. Das Lied mißfiel ihm, und er sagte: David geben sie Zehntausend, mir aber geben sie nur Tausend. Jetzt fehlt ihm nur noch die Königswürde.
Von diesem Tag an war Saul gegen David voll Argwohn.
Saul redete vor seinem Sohn Jonatan und vor allen seinen Dienern davon, daß er David töten wolle. Sauls Sohn Jonatan aber hatte David sehr gern;
deshalb berichtete er David davon und sagte: Mein Vater Saul will dich töten. Nimm dich also morgen früh in acht, verbirg dich in einem Versteck!
Ich aber will zusammen mit meinem Vater auf das Feld hinausgehen; dort, wo du dich versteckt hältst, werde ich stehenbleiben und mit meinem Vater über dich reden, und wenn ich etwas erfahre, werde ich dir Bescheid geben.
Jonatan redete also zugunsten Davids mit seinem Vater und sagte zu ihm: Der König möge sich doch nicht an seinem Knecht David versündigen; denn er hat sich ja auch nicht an dir versündigt, und seine Taten sind für dich sehr nützlich gewesen.
Er hat sein Leben aufs Spiel gesetzt und den Philister erschlagen. Der Herr hat (durch ihn) ganz Israel viel Hilfe gebracht. Du hast es selbst gesehen und dich darüber gefreut. Warum willst du dich nun versündigen und unschuldiges Blut vergießen, indem du David ohne jeden Grund tötest?
Saul hörte auf Jonatan und schwor: So wahr der Herr lebt: David soll nicht umgebracht werden.
Jonatan rief David und berichtete ihm alles. Dann führte Jonatan David zu Saul, und David war wieder in Sauls Dienst wie vorher.

Psalm 56(55),2-3.9-10ab.10c-11.12-13.

Sei mir gnädig, Gott, denn Menschen stellen mir nach; meine Feinde bedrängen mich Tag für Tag.
Täglich stellen meine Gegner mir nach; ja, es sind viele, die mich voll Hochmut bekämpfen.
Mein Elend ist aufgezeichnet bei dir. Sammle meine Tränen in einem Krug, zeichne sie auf in deinem Buch!Dann weichen die Feinde zurück an dem Tag, da ich rufe. Ich habe erkannt: Mir steht Gott zur Seite.
Dann weichen die Feinde zurück an dem Tag, da ich rufe. Ich habe erkannt: Mir steht Gott zur Seite.
Dann weichen die Feinde zurück an dem Tag, da ich rufe. Ich habe erkannt: Mir steht Gott zur Seite.Ich preise Gottes Wort, ich preise das Wort des Herrn.
Ich vertraue auf Gott und fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun?
Ich schulde dir die Erfüllung meiner Gelübde, o Gott; ich will dir Dankopfer weihen.

Evangelium nach Markus 3,7-12.

Jesus zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück. Viele Menschen aus Galiläa aber folgten ihm. Auch aus Judäa,
aus Jerusalem und Idumäa, aus dem Gebiet jenseits des Jordan und aus der Gegend von Tyrus und Sidon kamen Scharen von Menschen zu ihm, als sie von all dem hörten, was er tat.
Da sagte er zu seinen Jüngern, sie sollten ein Boot für ihn bereithalten, damit er von der Menge nicht erdrückt werde.
Denn er heilte viele, so daß alle, die ein Leiden hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn zu berühren.
Wenn die von unreinen Geistern Besessenen ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder und schrien: Du bist der Sohn Gottes!
Er aber verbot ihnen streng, bekannt zu machen, wer er sei.

„Alle, die unter einer Krankheit litten, versuchten ihn zu berühren“

Folgt dem Beispiel unseres Erlösers, der sich in sein Leiden gegeben hat, um das Mitleid zu lernen, um sich dem Elend zu unterwerfen und die Erbarmungswürdigen zu verstehen. So wie er „Gehorsam gelernt hat durch das, was er erlitten hat“ (vgl. Hebr 5,8), so hat er auch Erbarmen lernen wollen... Vielleicht werdet ihr sonderbar finden, was ich gerade von Christus gesagt habe: Er, der die Weisheit Gottes ist (vgl. 1Koe 1,24), wie hat er lernen können?...
Ihr anerkennt, dass er Gott und Mensch in einer Person ist. Als ewiger Gott besaß er immer die Erkenntnis aller Dinge; als Mensch, der in der Zeit geboren ist, hat er viele Dinge in der Zeit gelernt. Da er begonnen hat, in unserem Fleisch zu sein, hat er auch begonnen, die Leiden des Fleisches zu erfahren. Für unsere Stammeltern wäre es besser und weiser gewesen, diese Erfahrung nicht machen zu müssen. Doch ihr Schöpfer ist gekommen, „zu suchen, was verloren ist“ (vgl. Lk 19,10). Er hatte Erbarmen mit seiner Schöpfung und ist gekommen, um sie wiederzufinden, indem er voller Erbarmen dorthin hinabgestiegen ist, wo sie erbärmlich zugrunde ging...
Nicht einfach um ihr Unglück zu teilen, tat er das, sondern um Anteil zu haben an ihrem Elend und um sie zu befreien: Um barmherzig zu werden nicht als ein Gott in seiner ewigen Seligkeit, sondern als ein Mensch, der teilhat an der Situation der Menschen... Welch wunderbare Logik der Liebe! Wie hätten wir anders diese bewundernswerte Barmherzigkeit erkennen sollen, wenn sie sich nicht über das herrschende Elend gebeugt hätte? Wie hätten wir anders das Mitleiden Gottes verstehen können, wenn es menschlich gesehen dem Leiden fremd geblieben wäre?... Mit der Barmherzigkeit eines Gottes hat Christus also diejenige eines Menschen verbunden, ohne sie zu verändern, sondern indem er sie vielmehr vervielfachte, wie geschrieben steht: „Du rettest Mensch und Tier, Herr mein Gott, wie du auch überreich gemacht hast deine Barmherzigkeit!“ (Ps 35, 7-8 Vulg).  

Hl. Bernhard von Clairvaux (1090 - 1153), Zisterziensermönch, Abt und Kirchenlehrer