Interview mit Generalvikar Schreer

Kirchenschließungen im Bistum Hildesheim

 

Interview der Bischöflichen Pressestelle Hildesheim

mit Generalvikar Dr. Werner Schreer

am 1. Februar 2008

 

(zur freien Verwendung in den Medien)

 

 

Sehr geehrter Herr Generalvikar: Das Bistum plant in seiner vorläufigen Verwaltungsvorlage, ab 2009 voraussichtlich 80 Kirchen zu profanieren. 86 weitere Kirchen sollen keine weitere finanzielle Unterstützung mehr bekommen. Steht das Bistum Hildesheim vor einem historischen Abbruch?

Wir stehen jedenfalls in Zeiten der Veränderung. Allerdings hat sich die Kirche auch im Bistum Hildesheim immer verändert. Der größte Strukturwandel der letzten 50 Jahre ist dabei nicht der, in dem wir jetzt stehen, sondern es war jener, der in den 50er bis 70er Jahren des 20. Jahrhunderts stattfand. In diesen Jahren wurde mehr als die Hälfte der Kirchen, die wir heute haben, gebaut. Das lag einfach an der stark gewachsenen Zahl an Katholiken durch die Flüchtlinge und Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges. Jetzt müssen wir wieder auf eine veränderte Situation reagieren. Kern dieser Veränderungen ist der demographische Wandel. Dazu zwei Zahlen: Heute werden in Deutschland nur noch halb so viele Kinder geboren wie vor 40 Jahren. Der Rückgang ist also schon längst im Gange: Im Bistum Hildesheim hatten wir vor 20 Jahren 100.000 Katholiken mehr als heute, und die Zahl wird weiter zurück gehen. Darauf müssen wir uns einstellen mit allem was wir vorhalten können an Personal – und eben auch an Immobilien. Wir können uns nicht mehr den gleichen Immobilienbestand leisten wie noch in den 70er Jahren.

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, erst mit den Gemeinden zu diskutieren und dann die vorläufige Verwaltungsvorlage zu erstellen?

Natürlich wollen wir – und zwar sehr ernsthaft – mit den Gemeinden diskutieren. Aber wir werden es zunächst tun auf der Ebene der Dekanate. Denn bei der Schließung eines Gebäudes muss man auch das Umfeld mit im Blick haben: Wie groß sind die Entfernungen zu anderen Kirchen, wie können die Wege bewältigt werden, welche Kirchen in der Nähe werden erhalten, welche aufgegeben und so weiter. Wir haben uns dafür entschieden, als Grundlage für die Gespräche vor Ort zuerst eine Vorlage zu erstellen, wie sie jetzt auf dem Tisch liegt, denn uns war beim besten Willen nicht vorstellbar, dass Gemeinden von sich aus die Schließung ihrer Kirche anbieten würden. Vor Ort kämpfen die Gläubigen verständlicherweise für ihre Kirche. Deshalb musste die Initiative vom Bischöflichen Generalvikariat ausgehen.

Viele Gläubige und auch Pfarrer bedauern, dass sie von den Plänen des Bistums aus der Zeitung erfahren haben...

Wir haben uns entschieden, die Information zur vorläufigen Verwaltungsvorlage für das ganze Bistum möglichst zur gleichen Zeit zu starten, um Gerüchte – die ja in der Regel das Ergebnis mangelhafter Information sind – gar nicht erst aufkommen zu lassen. Wir leben in einer Mediengesellschaft. Wenn Journalisten mitbekommen, dass etwas Brisantes geschieht, dann greifen sie das Thema auf. Also haben wir die Medien offen informiert, bevor sie die Nachricht aus den Gemeinden erfahren haben. Vielleicht hätten wir im unmittelbaren Vorfeld der Pressekonferenz die Pfarrer und Gemeinden nicht nur per E-Mail, wie das geschehen ist, sondern auch brieflich vorab informieren sollen. Das will ich gerne zugeben. Aber ich will noch einmal betonen, dass wir das komplette Informationsmaterial vor der Pressekonferenz per E-Mail als Newsletter versandt haben. Einige Priester haben sich bei uns inzwischen für diese ausführliche Information bedankt.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass der Vorstand des Diözesanrats der Katholiken, also die oberste Vertretung der Gläubigen im Bistum, die Informationen zur gleichen Zeit erhalten hat wie die Dechanten, nämlich zwei Tage vor der Veröffentlichung der Liste im Internet. Dass dennoch viele Betroffene die Nachricht aus der Zeitung erfahren haben, war aber aus den genannten Gründen kaum zu vermeiden.

Einige Kritiker bemängeln auch, dass der Bischof sich bislang nicht mit einem Bischofswort zu den Kirchenschließungen an die Menschen gewendet hat.

Der Bischof ist selbstverständlich über die Planungen informiert und hat ihnen zugestimmt. Wir sind aber der Meinung, dass es sich bei der vorläufigen Veraltungsvorlage zunächst um einen Text der Bistumsverwaltung handelt, wie der Name schon sagt, so dass der Bischof sich nicht unbedingt sofort zu Wort melden muss. Bischof Trelle wird jedoch in seinem diesjährigen Hirtenwort zur österlichen Bußzeit das Thema der Kirchenschließungen aufgreifen.

Aus verschiedenen Leserbriefen spricht tiefe Enttäuschung. Zuletzt hätten die Nationalsozialisten Kirchen geschlossen, heißt es da zum Beispiel, und jetzt tut es der Bischof selbst. Berührt Sie diese Kritik?

Es trifft mich sogar sehr, weil es mit vielen verständlichen Gefühlen der Menschen verbunden ist. Deshalb bin ich nicht erstaunt, dass jetzt viel – sachliche und emotional aufgeladene – Kritik kommt bis hin zu dem Anschlag an einer Kirchentür, der dazu auffordert, für den Bischof und die Diözesanverwaltung um den Geist der Weisheit und des Verstandes zu beten. Dennoch sehen wir keinen anderen Weg, als uns von Kirchengebäuden zu trennen. Ich habe die demographische Entwicklung schon erwähnt. Wir müssen darum jetzt anfangen zu rechnen, wie viele Kirchen wir seitens des Bistums angesichts zurückgehender Finanzen auf Dauer noch gut erhalten können. Außerdem ist die Entwicklung einer Pfarrgemeinde oft auch zeitbedingt: Wie es in den 60er Jahren an vielen Orten richtig war, angesichts der stark gewachsenen Zahl der Katholiken eine Kirche zu bauen, so kann es heute dort genau so richtig sein, Kirchen zu schließen und anders zu nutzen, wo die Gemeinden schrumpfen, der Nachwuchs fehlt, das Gemeindeleben vor Ort zuletzt vielleicht sehr dünn geworden ist und zugleich mehrere Kirchen nahe beieinander stehen. Viele Kirchen aus den 60er Jahren sind zudem Fertigteilkirchen, die für 30 oder 40 Jahre gebaut wurden und inzwischen so marode sind, dass sie kaum noch mit zumutbarem Aufwand instand gehalten werden können. Dass das Herz der Menschen an ihren Kirchen hängt, wo sie getauft worden sind oder geheiratet haben, kann ich natürlich gut verstehen.

An vielen Orten trauen wir den Menschen auch zu, dass sie die Erhaltung ihrer Kirche selbst in die Hand nehmen können. Darum werden wir viele Kirchen, für deren Bauerhalt die Finanzmittel des Bistums einfach nicht mehr ausreichen werden, dennoch nicht schließen, sondern ihren Unterhalt den Menschen vor Ort anvertrauen.

Könnte es für eine Pfarrgemeinde nicht auch eine Chance sein, sich zukünftig verstärkt selbst um ihre Kirche kümmern zu müssen?

Ich wünsche mir, dass durch die Debatte über die Kirchengebäude vor Ort auch das Gespräch darüber in Gang kommt, wofür diese Kirche buchstäblich steht, was darin geschehen soll, wozu sie eigentlich da ist. Eine Kirche ist ja nur dann sinnvoll, wenn darin gebetet wird, wenn dort Leben ist. Die Katholiken vor Ort könnten sich fragen: Wofür ist unser Kirchengebäude wirklich unverzichtbar? Wie können wir den Glauben vor Ort leben, wenn uns kein eigenes Kirchengebäude mehr zur Verfügung steht? Was heißt das eigentlich: Den Glauben leben? Wenn eine solche Debatte in Gang käme, dann wären wir einen Schritt weiter mit Blick auf unsere Zukunft. Denn wir müssen als Kirche von Hildesheim vor allem klären, wie wir in Zukunft in einer veränderten Welt und mit verminderten Kräften das Evangelium Jesu Christi verkünden wollen.

Vor drei Jahren stand die Bistumsleitung vor der Frage, angesichts der schlechten finanziellen Lage unter Umständen Mitarbeiter entlassen zu müssen. Damals sagten viele, man solle lieber in Menschen investieren und dafür Immobilien abstoßen. Jetzt will das Bistum tatsächlich Immobilien abbauen und wieder gibt es Kritik. Ist das nicht ungerecht?

Dies zeigt vor allem, dass man alles aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten kann. Aufgabe des Generalvikars und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es, den Überblick über das gesamte Bistum zu behalten, zu dem sowohl die Gebäude wie auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören. Natürlich verstehe ich jeden Pfarrer, der sich dafür einsetzt, eine tolle Gemeindereferentin zu bekommen oder eben dafür, dass das Kirchengebäude vor Ort erhalten bleibt. Es gibt tatsächlich immer auch gute Argumente, um Vorhandenes nicht aufzugeben oder sogar auszubauen. Man muss dann aus der Gesamtsicht aber auch sagen, dass nicht mehr alles erhalten werden kann. Die Diskussionen in den Gemeinden, die jetzt folgen werden, müssen natürlich die Ängste der Menschen vor Ort auffangen und dennoch deutlich machen, dass es unvermeidlich ist, sich von Gebäuden zu trennen.

Befürchten Sie nicht, dass die Zahl der Kirchenaustritte dadurch steigen wird?

Es ist sicher zu befürchten, dass Katholiken aus Enttäuschung über die Schließung eines Kirchengebäudes aus der Kirche austreten. Ich werde natürlich um jeden kämpfen, der wegen einer Kirchenschließung mit Austritt droht, würde ihn dann aber auch fragen, ob er nur wegen eines bestimmten Gebäudes Kirchenmitglied ist.

Befürchten Sie nicht, dass Kirchenschließungen vor allem die Mobilitätsverlierer treffen: alte und gebrechliche Menschen, die nicht so ohne weiteres längere Wege zurücklegen können?

Wir reden oft von ‚größeren pastoralen Räumen’. Das ist ein Konzept, das natürlich eher die mobilen Gläubigen im Blick hat. Moderne Katholiken suchen sich ihre Aktivitäten nicht mehr unbedingt in der Heimatgemeinde, sondern dort, wo sie sich mit ihren Interessen am besten aufgehoben fühlen. Die ‚Mobilitätsverlierer’ sind da eine Herausforderung für eine Gemeinde und eine Anfrage an die Solidarität miteinander. Auf keinen Fall darf sich eine Gemeinde aufspalten in die Mobilen und die Nicht-Mobilen. Denkbar wäre zum Beispiel, dass man Mitfahrgelegenheiten schafft. Wenn eine Gemeinde eine solche Aufgabe nicht sähe, dann hätte ich dort Anfragen an das Gemeindeverständnis. Andererseits kann eine solche Aufgabe auch gemeindeprägend wirken und die Gläubigen enger zusammen schweißen.

Stichwort Dom: Mancher Leserbriefschreiber beklagt die angebliche Luxussanierung samt ‚Tieferlegung’ des Fußbodens.

Dass wir kurz vor Weihnachten die Pläne zur Domsanierung und jetzt im Januar vorläufige Pläne zu Kirchenschließungen vorlegen, mag zunächst befremden. Aber wir wollten bewusst ehrlich bleiben und darum beides zu dem Zeitpunkt veröffentlichen, an dem die Entscheidung gefallen war. Sonst könnte man uns vorwerfen, etwas bewusst verschwiegen zu haben, um kritischen Reaktionen zu entgehen. Die meisten Leserbriefschreiber sind übrigens mit der Domsanierung im Prinzip einverstanden, vermuten aber, dass sie auch kleiner ausfallen könnte. Schnell steht die Zahl von 20 Millionen Euro im Raum, die die Domsanierung kostet. Das ist zwar richtig, man muss aber bedenken, dass der Eigenanteil des Bistums nur bei 7,2 Millionen Euro liegen wird, und dies gestreckt auf die sieben Jahre bis 2015. Im selben Zeitraum wird das Bistum etwa 40 Millionen Euro für die Pflege von Kirchengebäuden ausgeben, nämlich 5,5 Millionen Euro pro Jahr.

Die ‚Tieferlegung’ des Domfußbodens um 60 Zentimeter wird übrigens bei den Sanierungskosten im Dom keine große Rolle spielen. Tatsache ist, dass der Boden im Dom auf jeden Fall aufgerissen werden muss, weil die Heizungsanlage im Boden zu erneuern ist und die Basen der Säulen feucht sind und saniert werden müssen. Insgesamt wird das Aufreißen und Absenken des Fußbodens etwa 100.000 Euro kosten. Das sind bei einer Gesamtbausumme von 20 Millionen Euro nicht mehr als 0,5 Prozent der Baukosten. Aus meiner Sicht ist das zu vertreten. Wir bekommen dafür einen Dom, der dem ursprünglichen Erscheinungsbild sehr viel näher sein wird als nach dem Wiederaufbau in den 60er Jahren und ausgewogene Proportionen hat.

Im Zusammenhang der Kirchenschließungen muss man auch die Pfarrheime sehen. Was geschieht denn mit diesen Immobilien?

Wir werden diese Frage aus der Sicht der Kirchengebäude angehen. Die Kirche ist theologisch das Zentrum der Pfarrgemeinde, nicht das Pfarrheim. So war es übrigens auch beim Bau vieler Kirchen nach dem Krieg: Zuerst bauten die Menschen ihre Kirchen, wenn dann das Geld noch reichte ein Pfarrheim dazu. Das heißt: Zunächst werden wir klären, welche Kirchen wir aufgeben, dann die Frage der Pfarrheime angehen. Oft wird es so sein, dass das Pfarrheim mit der Kirche baulich so verbunden ist, dass man nur beides zusammen aufgeben kann oder erhalten muss Sind die Gebäude räumlich getrennt, werden wir diese Frage genauer prüfen. Denkbar ist beides: Dass man das Pfarrheim entweder ebenso wie die Kirche aufgibt oder dass man es ohne die Kirche erhält, wenn das aus seelsorglichen oder anderen Gründen sinnvoll ist. Wo auch das Pfarrheim aufgegeben wird, muss die Gemeinde prüfen, ob vor Ort andere Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, in denen sich Gruppen treffen können, etwas ein Dorfgemeinschaftshaus oder das Pfarrheim einer evangelischen Gemeinde. Also: Hier sind ganz unterschiedliche Lösungen denkbar.

Ich verstehe Sie aber richtig, dass man unter Umständen Kirchen aufgibt, aber das Pfarrheim erhält und dann dort Gottesdienst feiert?

Das wäre theoretisch denkbar, aber erst nach genauer Prüfung in seelsorglicher und baulicher Hinsicht. Die Standardlösung kann das jedenfalls nicht sein. Wir müssen bei der Frage der Kirchenschließungen ja auch bedenken, ob auf Dauer vor Ort überhaupt eine Gottesdienst- und Gebetsgemeinde Bestand haben wird. Wir werden jedenfalls sicher nicht genügend Priester haben, die überall dort, wo das bisher noch möglich ist, die Eucharistie feiern können.

Was wäre Ihnen denn am liebsten als Nachnutzung einer aufgegebenen Kirche?

Am liebsten ist mir eine Kirche natürlich als Kirche. Wenn sie in irgendeiner Art und Weise weiter als Kirche genutzt werden könnte, wäre das am besten. Hier und da wird es die Möglichkeit geben, sie an orthodoxe Gemeinden abzugeben, die uns Katholiken ja sehr nahe stehen. Vielleicht gibt es auch Schnittstellen zwischen Religion und Kultur. Ich denke da an Ausstellungsräume oder kleine Museen. Das ist ja nichts Neues: Die ehemalige Martinikirche in Hildesheim ist seit vielen Jahren Teil des Roemer- und Pelizaeus-Museums und die St. Pauluskirche gehört längst zu einem Altenheim. Das passt! Jede Kirche wird man dabei als Einzelfall betrachten. Daher werden wir die Frage der Nachnutzung von Kirchen auch erst dann intensiv angehen können, wenn klar ist, welche Kirchen denn nun tatsächlich aufgegeben werden.

Das Bistum hat angekündigt, mit den evangelischen Landeskirchen über die gemeinsame Nutzung von Kirchen verhandeln zu wollen. Wie ist denn da der Stand der Dinge?

Die evangelische Landeskirche in Braunschweig hat einer solchen Nutzung generell zugestimmt. Mit der evangelischen Landeskirche Hannovers haben wir zu diesem Thema noch keine offiziellen Gespräche geführt, aber im informellen Bereich hat man dort schon Zustimmung signalisiert. Das gilt auch für die evangelische Landeskirche in Schaumburg-Lippe. Diese Kontakte waren aber eher allgemeiner Natur. Konkrete Gespräche zu bestimmten Kirchen oder Standorten haben wir noch nicht geführt. Das kann auch erst dann konkret werden, wenn wir wissen, welche Gebäude wir definitiv aufgeben. Selbstverständlich wären wir auch bereit, evangelischen Gemeinden Gastfreundschaft zu gewähren.

Im Übrigen hätte das Tradition, denn in der Nachkriegszeit haben viele katholische Gemeinden ihre Gottesdienst in evangelischen Kirchen gefeiert, bis sie dann ihr eigenes Gotteshaus bauen konnten. Umgekehrt war bis vor Kurzem die evangelische Michaelisgemeinde in Hildesheim bei der katholischen Magdalenengemeinde zu Gast, während St. Michaelis saniert wurde.

Dass die Kirchen zusammen rücken liegt ja im Trend unserer Zeit...

In der Tat könnte man glauben, dass in der schwierigen äußeren Situation, in der unser Bistum wie auch die Landeskirchen stehen, das Wirken des heiligen Geistes zu spüren ist, der die Kirchen näher zueinander drängt. Alle Kirchen stehen vor einer ähnlichen Herausforderung: Zum einen natürlich strukturell und finanziell, aber auch inhaltlich: in unserer Gesellschaft gemeinsam für den christlichen Glauben einzustehen. Das können wir in vielen Fällen besser, wenn wir es gemeinsam tun.

Wäre es denn irgendwann denkbar, dass eine Gemeinde nicht bei einer anderen nur zu Gast ist, sondern dass eine evangelische und katholische Kirchengemeinde eine Kirche gemeinsam finanzieren, quasi ein ökumenisches Kirchengebäude?

Wir haben im Bistum ja bereits einen solchen Fall. Im ökumenischen Kirchenzentrum St. Vizelin in Hameln gibt es ein gemeinsames Kirchengebäude für beide Konfessionen. Organisatorisch ist eine solche ‚ökumenische Kirche’ also durchaus denkbar. Die ökumenisch spannende Frage wird sein: Wenn ein solches gemeinsames Kirchengebäude auf Dauer angelegt ist, wer gestaltet dann das Gebäude? Soll es dort Weihwasserbecken geben? Soll dort ein Ewiges Licht leuchten? Wie hält man es mit dem Tabernakel? Oder mit dem Bild von Martin Luther? Das könnte dann ja auch zu spannenden gegenseitigen Anfragen führen: Warum ist Euch Katholiken der Weihrauch wichtig? Warum ist das bei uns Evangelischen nicht so? Da könnte eine spannende ökumenisch-theologische Diskussion in Gang kommen.

Ich verstehe Sie also richtig: Theologisch spricht nichts gegen ein solches ‚ökumenisches’ Gotteshaus?

Wir sind als Christen der Meinung, dass Gott nicht zuerst in einem bestimmten Gebäude wohnt, sondern in dem, was darin geschieht, also im Gottesdienst. Die Gestalt des Gebäudes unterstützt das natürlich, und das geht am einfachsten, wenn auch die Gestaltung des Gebäudes der Art, wie die jeweilige Konfession ihre Gottesdienste feiert, angepasst ist. Grundsätzlich spricht aber nichts gegen ‚ökumenische’ Kirchen in Einzelfällen, wobei dann eben praktische und theologische Fragen zu klären sind.

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